Äthiopien: DW protestiert gegen Suspendierungen

Die DW protestiert gegen die Suspendierung der Arbeit ihrer neun lokalen Korrespondenten und Korrespondentinnen in Äthiopien durch die Ethiopian Media Authority (EMA).

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Die Medienaufsichtsbehörde Ethiopian Media Authority (EMA) hatte von der DW-Redaktion am Donnerstag in einem Brief gefordert, jedwede journalistische Arbeit ihrer Korrespondenten "temporär" einzustellen.

"Wir sind sehr besorgt über die Einschränkung unserer Berichterstattung in Äthiopien", sagt Barbara Massing, Intendantin der DW. "Nach der Einstellung der Sprachprogramme von Voice of America bietet die Deutsche Welle das reichweitenstärkste amharischsprachige Programm unter den Auslandssendern in Äthiopien an. Millionen Äthiopierinnen und Äthiopier setzen darauf, dass wir ihnen auch künftig Zugang zu unabhängigen Informationen verschaffen. Wir erwarten, dass unsere Kollegen unverzüglich ihre Arbeit ungehindert wieder aufnehmen können."

Der Brief der EMA enthält keine konkreten Vorwürfe gegen einzelne Punkte der Berichterstattung der DW. Er wirft der DW pauschal den Verstoß gegen Media Proclamations der Regierung vor, darunter der Verordnung gegen Hassrede und die Verbreitung von Falschinformationen. Die DW fordert die äthiopischen Behörden auf, detailliert anzugeben, wo Berichte gegen die genannten Media Proclamations verstoßen haben sollen, und die Suspendierung sofort aufzuheben.

Die neun Beschäftigten der DW in Äthiopien haben ihre journalistische Arbeit bis auf Weiteres eingestellt. Das amharischsprachige Programm der DW wird durch die Redaktion in Bonn und Mitarbeitende weltweit weiter betrieben. Die Radio- und TV-Angebote der DW erreichen etwa zehn Prozent der äthiopischen Bevölkerung über 14 Jahren.

Die Suspendierung der DW-Journalisten bedeutet eine weitere Verschlechterung des Medienklimas in Afrikas zweitbevölkerungsreichstem Land im Vorfeld der für Juni 2026 angekündigten Wahlen. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in der Region Tigray im Jahr 2020 hat sich die Lage der Pressefreiheit in Äthiopien deutlich verschlechtert. Unabhängige Medienorganisationen wie Committee to Protect Journalists (CPJ) und Reporter ohne Grenzen haben in den vergangenen Monaten wiederholt die Freilassung inhaftierter äthiopischer Journalisten gefordert. Das Land zählt zu den stark zensierten Medienmärkten und belegt in der von Reporter ohne Grenzen veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit Platz 145 von 180.