Breaking the News? Journalismus im Zeitalter von KI

Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Menschen auf Informationen zugreifen. Angesichts übermächtiger Technologiekonzerne, intransparenten Algorithmen und gezielter Desinformation diskutierten internationale Vordenker auf einem Event der DW Akademie in Berlin Wege, wie die Integrität von Informationen auch zukünftig gewährleistet werden kann.
„Journalisten sind eine Schlüsselspezies im Informationsökosystem“, sagte Courtney Radsch vom Open Market Institute. „Sie sind unverzichtbar. Wenn Journalistinnen und Journalisten verschwinden, bricht das gesamte System zusammen.“

Zwischen Hoffen und Bangen
Ein Großteil der Diskussionen konzentrierte sich auf die enormen Herausforderungen, die KI-Assistenten für Medienunternehmen darstellen. Durch sie haben sich sowohl der Traffic auf den Webseiten der Nachrichtenanbieter als auch deren Einnahmen drastisch reduziert.
Es gab aber auch hoffnungsvolle Signale: Phathutshedzo Manenzhe, leitende Analystin der Wettbewerbskommission Südafrikas, berichtete von erfolgreichen Verhandlungen mit Google. Das Technologieunternehmen hat sich bereit erklärt, über einen Zeitraum von fünf Jahren 40 Millionen Euro zur Unterstützung lokaler und nationaler Medien zu zahlen, um unfaire Praktiken seiner Suchmaschine auszugleichen.

Die Zusammenarbeit mit Big Tech, insbesondere einige Vereinbarungen, die Medienunternehmen jüngst mit großen Technologiekonzernen getroffen haben, bewerteten viele Konferenzteilnehmer aber als problematisch. Ein Beispiel hierfür ist die New York Times, die einerseits gegen OpenAI klagte, andererseits aber kürzlich einen Vertrag mit Amazon über die Bereitstellung von Inhalten abgeschlossen hat. Das Beispiel zeigt die Komplexität und oft widersprüchlichen Beziehungen zwischen Medien und Big Tech. Auf der Konferenz betonten Teilnehmende, dass Journalismus als öffentliches Gut betrachtet und entsprechend finanziert werden sollte.
Auch Repräsentanten der Tech-Branche waren der Einladung der DW Akademie gefolgt, darunter Guido Brinkel von OpenAI. Brinkel erklärte, sein Unternehmen sei bereit, zuzuhören und gemeinsam über die Zukunft beider Branchen zu diskutieren.
Unterschiedliche Lösungsansätze
Während man sich auf die Probleme schnell einigen konnte, gingen die Lösungsansätze teils auseinander. Omar Rajarathnam von Factum in Sri Lanka vertrat zum Beispiel eine konfrontative Haltung gegenüber den Technologiekonzernen. „Die Zeit für Konsultationen mit Big Tech ist vorbei“, sagte er. „Es ist Zeit für Konsequenzen.“
Andere Teilnehmende forderten strengere Vorschriften und Strafen und als ersten Schritt, dass Technologieunternehmen an ihre eigenen Verhaltenskodizes gemessen werden sollten. Wieder andere wiesen darauf hin, dass Regulierungsmaßnahmen in bestimmten Ländern sehr vorsichtig angegangen werden müssten, da sie von Autokraten zur Einschränkung der Medienfreiheit missbraucht werden könnten.

Madhav Chinnappa, früher Direktor bei Google, betonte: „Wir brauchen einen besseren Dialog mit den großen Technologieunternehmen. Sie zu dämonisieren, wird das Problem nicht lösen“.
Er wies auf die asymmetrischen Machtverhältnisse hin, mit der Medienhäuser bei Verhandlungen mit milliardenschweren Technologieunternehmen konfrontiert sind. Chinnappa forderte Medien und Medienvertreter auf, ein besseres Verständnis für die Hebel, Anreize und Geschäftsmodelle der Technologiebranche zu entwickeln. Nur so könnten sie eine bessere Zukunft für sich sichern.
Die nächsten Schritte
Die Berliner Konferenz war der Abschluss der „Next Chapter“-Eventserie, die sich über mehrere Kontinente erstreckte – mit Veranstaltungen in Chiang Mai, Mexiko-Stadt, Amman und Chisinau. Das Ergebnis der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützten Veranstaltungsreihe war ein Plan für die Zukunft der Medien und der Medienentwicklung.

In der Abschlussdiskussion stellte Carsten von Nahmen, Managing Director der DW Akademie, die nächsten Schritte aus Sicht seiner Organisation dar.
- Die DW Akademie wird den Dialog zwischen Medien, Zivilgesellschaft und Technologieunternehmen nach Brüssel tragen und die politischen Entscheidungsträger der EU einbeziehen.
- Gemeinsam mit ihren Partnern entwickelt die DW Akademie außerdem einen Fahrplan für eine erfolgreiche Zukunft des Journalismus, der auch die Perspektiven des Globalen Südens berücksichtigt.
- Dieser Fahrplan wird dazu genutzt, die Strategie des DW Akademie Think Tanks, DW Freedom, weiterzuentwickeln.
Die Vorhaben der DW Akademie sind nur ein Teil eines vielschichtigen Ansatzes, den verschiedene Akteure – Zivilgesellschaft, Redaktionen, Rechtsexperten, Technologieunternehmen und politische Entscheidungsträger – verfolgen müssen, um die Zukunft des Journalismus und die Integrität von Informationen im Zeitalter von KI zu sichern.



