Doku „Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene“

Die Dokumentation ist ab heute in der ARD-Mediathek und ab 6. Dezember auf den Kanälen der DW zu sehen.
Bei der Deutschland-Premiere der internationalen Koproduktion waren auch der Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow, Chefredakteur der Zeitung „Nowaja Gaseta”, und Memorial-Mitbegründer Oleg Orlow anwesend, dessen Frau Tatjana im Film während seiner Haft begleitet wird.

„Derzeit umfasst die Liste der politischen Gefangenen von Memorial 1.217 Namen“, sagte Oleg Orlow bei der Premiere. „Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt noch viel mehr Inhaftierte. Während meiner Zeit im Gefängnis und in Untersuchungshaft habe ich neue Menschen kennengelernt und Namen erfahren, die ich zuvor noch nie gehört hatte. Der Apparat der Unterdrückung wächst. Wir können nicht sagen, dass wir den Höhepunkt schon erreicht haben.“
Dmitri Muratow kündigte an, dass er gemeinsam mit anderen Nobelpreisträgern einen Brief an die Beteiligten der aktuellen Gespräche zur Beendigung des Krieges in der Ukraine schicken werde. In dem Brief wird die Freilassung politischer Gefangener und ukrainischer Häftlinge in Russland gefordert, entweder durch einen Gefangenenaustausch oder durch Begnadigungen, als Teil eines möglichen Friedensabkommens.

Barbara Massing, Intendantin der DW: „Die Doku Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene ist ein Zeugnis von Mut und von Menschlichkeit. Der Film gibt jenen eine Stimme, die zum Schweigen gebracht werden sollten. Es ist unsere Aufgabe mit unserer Berichterstattung dafür zu sorgen, dass diese Stimmen weiter gehört werden.”
Der Film beleuchtet das System der politischen Unterdrückung im heutigen Russland unter Wladimir Putin. Tausende Menschen sind in Haft, sie gelten als „Politzek”, politische Gefangene. Die Produktion von Manon Loizeau und Ekaterina Mamontova unter der Mitwirkung von Sacha Koulaeva taucht in das System der Unterdrückung ein und gibt den Gefangenen und ihren Angehörigen eine Stimme.

Im Zentrum des Films stehen persönliche Schicksale wie das von Arsenij Turbin: Er war 14 Jahre alt, als er wegen kritischer Äußerungen gegen den russischen Präsidenten im Klassenzimmer und auf Youtube ins Visier des Geheimdienstes geriet und zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde – er ist Russlands jüngster politischer Gefangener. Seine Mutter Irina setzt sich verzweifelt für seine Freilassung ein. Auch Nadeschda Skochilenko kämpfte dafür, dass ihre Tochter Sasha freikommt. Diese hatte nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Preisschilder in Supermärkten mit Protestbotschaften gegen Putins Krieg versehen und wurde zu sieben Jahren Straflager verurteilt. Nach mehr als zwei Jahren Haft kam sie im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei.
Bettina Kolb und Elisabeth Lehmann, Commissioning Editors DW Documentaries: „Die Arbeit an diesem Film war Verschlusssache, bis kurz vor Fertigstellung - weil Teile des Teams noch in Russland waren und um ihre Sicherheit fürchten mussten. Das Risiko, das sie eingegangen sind, nötigt uns großen Respekt ab. Ihnen allen gehört unser Dank dafür, dass sie der Deutschen Welle vertrauen, um Politzek in die Welt zu senden.”
Nadja Scholz, Managing Director Programming der DW: „Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene ist eine gemeinsame europäische Anstrengung, eine Koproduktion von fünf öffentlich-rechtlichen Partnern. Der Film ist deshalb auch Ausweis für die Kraft von grenzüberschreitendem, unabhängigem Journalismus, der heute so wichtig ist wie lange nicht mehr."
Produktion

„Staatsfeinde – Russlands politische Gefangene“ ist eine Koproduktion von Babel Doc (Stéphanie Lebrun) und Clin d'Œil Films (Hanne Phlypo), in Zusammenarbeit mit France TV in Koproduktion mit der Deutschen Welle (DW) und dem SWR, RTBF und VRT. Der Film ist ab 28.11.2025 in der ARD-Mediathek verfügbar und ab 6.12.2025 auf den Kanälen der DW auf Englisch, Spanisch, Arabisch,Hindi und Bahasa Indonesia.
Die DW wurde von den russischen Behörden 2022 als „ausländischer Agent” eingestuft, die Schließung des Studios Moskau erzwungen sowie alle Akkreditierungen und Lizenzen entzogen. Seitdem arbeitet das Studio aus dem Exil in Riga. Trotz Zensur und technischen Einschränkungen in Russland und Belarus konnte das russischsprachige Programm der DW seine Reichweite von 49 Millionen monatlichen Zugriffen im Jahr 2021 auf knapp 79 Millionen Zugriffe 2024 steigern - etwa durch Verbreitung der Inhalte über Youtube, Instagram, Telegram sowie das Satellitenprojekt Svoboda.
Fotos der Deutschland-Premiere und Pressefotos zum Film können hier heruntergeladen werden.