Eröffnung des DW GMF: Limbourg fordert europäische KI

Fotos stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.
"Welche Art von KI soll unser Informations-Ökosystem prägen?", so DW-Intendant Peter Limbourg. "Ich schlage die Schaffung einer europäischen KI vor – unabhängig, transparent und auf öffentlichen Werten aufgebaut, nicht auf privatem Profit. Wenn wir sie gemeinsam aufbauen, kann sie zu einer globalen, gemeinwohlorientierten KI werden. Dies ist unsere Chance, die Zukunft zu gestalten – nicht nur der Medien, sondern der Demokratie selbst. Wenn wir die Integrität und die Vielfalt des Journalismus bewahren wollen, müssen wir die Tools verstehen, die beeinflussen, wie Menschen die Welt wahrnehmen, und Verantwortung für diese Tools übernehmen."
Limbourg forderte außerdem eine Regulierung der Tech-Giganten: "Wenn wir Big Tech nicht regulieren, wird Big Tech unsere Demokratie regulieren. Es reicht ein Blick auf die Vereinigten Staaten." Mit seiner Eröffnungsrede startete das 18. Global Media Forums der Deutschen Welle, bei dem fast 900 Teilnehmende aus über 100 Ländern an drei Veranstaltungsorten in Bonn zusammenkommen. Die Konferenz widmet sich der Frage, wie Medienschaffende, Politik sowie Vertreterinnen und Vertreter des technologischen Sektors gemeinsam unabhängigen Journalismus stärken und offene Gesellschaften schützen können, während Künstliche Intelligenz den Informationsfluss und den öffentlichen Diskurs grundlegend verändert.

In ihrer Keynote-Rede betonte die EU-Kommissarin für Erweiterung, Marta Kos, die Verantwortung Europas bei der Verteidigung der Pressefreiheit und der Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Medien. "Medienorganisationen benötigen nachhaltige Finanzierung. Mit dem Wegfall der Unterstützung durch USAID ist unsere Arbeit in unseren Partnerländern deutlich schwieriger geworden. Wir nehmen an vielen Stellen eine aktivere Rolle ein, aber wir können die US-Finanzierung nicht überall ersetzen", so Kos.
"Heute haben wir es mit einer Informationsflut zu tun. Das zwingt uns dazu, neu zu denken, wie [die EU] Qualitätsjournalismus unterstützt. Wir müssen demokratische Strukturen verteidigen, um journalistische Arbeit überhaupt zu ermöglichen. Unser stärkstes Instrument ist der Erweiterungsprozess der EU selbst. Wir arbeiten mit Ländern zusammen, um sicherzustellen, dass ihre Gesetzgebung freien und unabhängigen Journalismus unterstützt."

Zum Auftakt des Forums betonte der nordrhein-westfälische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien, Nathanael Liminski, in Bezug auf die sich rasch entwickelnde Medienlandschaft, die von KI, Desinformation und schwindendem Vertrauen in den Journalismus geprägt ist: "Wir sehen, dass große US-Plattformen die Debatte dominieren – und ich sehe hier zwei Prioritäten: Erstens die Einführung einer Abgabe für große Plattformen. Die neue Bundesregierung hat sich dies zur Aufgabe gemacht und will dafür sorgen, dass die Einnahmen zur Stärkung des Mediensektors verwendet werden. Zweitens müssen wir die Rechte derer, die Content erstellen, im Zeitalter der KI schützen. Kreative Arbeit muss fair entlohnt werden."

Das Global Media Forum 2025 findet zum ersten Mal gleichzeitig an drei Locations in Bonn statt – in der Bundeskunsthalle, im Kunstmuseum Bonn und im DW-Funkhaus.
Das diesjährige Programm bereitet Politikern, Journalisten und Medienexperten eine Plattform, um sich mit den drängendsten Herausforderungen zu befassen, denen die Medien heute weltweit gegenüberstehen – vom Kampf gegen Desinformation und digitale Zensur bis hin zur Förderung der Medienkompetenz im Zeitalter der KI. Auf der Tagesordnung stehen auch die schrumpfenden Finanzmittel für den Journalismus, der Kampf für Medienpluralismus, die Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens in Zeiten von Konflikten und die Frage, warum Inklusion und die Sicherheit von Journalisten wichtiger sind denn je.
Tag 1: Digitale Mauern einreißen und Zugang zu Informationen sichern
Digitale Zensur und der Zugang zu Informationen stehen im Mittelpunkt des ersten Tages des Global Media Forums der DW, zusammen mit einer Reihe anderer drängender Herausforderungen für die Medien.
Das Panel "Wie autoritäre Regime digitale Mauern errichten – und wie man sie überwinden kann" bringt wichtige Stimmen zusammen, darunter Andreas Gebhard (re:publica Berlin), Pokong Chen, Veteran der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und Gypsy Guillén Kaiser (Committee to Protect Journalists). Auf der Grundlage ihrer unterschiedlichen Hintergründe in der Zivilgesellschaft, im Journalismus und in der digitalen Lobbyarbeit untersucht das Podium, wie Regierungen den Zugang zu Informationen einschränken – und wie internationale Akteure dagegen vorgehen, um die Medienfreiheit und Journalisten zu schützen.
Ebenfalls auf der Tagesordnung: Mitglieder der DG8-Führungskräfte der öffentlichen Medien – darunter BBC, RFE/RL, Gastgeber DW und führende globale Medienunternehmen wie E-jicom und TVP World – werden sich mit einer weiteren dringenden Herausforderung befassen: "Kontinuierlichen Zugang zu Informationen sicherstellen: Wie man in unbeständigen Zeiten Brücken baut".Diese Session ist eine Reaktion auf die jüngsten Mittelkürzungen bei USAGM, die unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Medien haben. Es geht darum, wie der Zugang zu vertrauenswürdigen Nachrichten, unabhängiger Berichterstattung und zivilgesellschaftlichen Informationen in den am stärksten betroffenen Regionen aufrechterhalten werden kann.
Am Abend wird die georgische Journalistin Tamar Kintzuraschwili für ihre Arbeit im Kampf gegen Desinformation und zur Förderung der Medienkompetenz in Georgien mit dem DW Freedom of Speech Award geehrt. Die Verleihung wird live auf YouTube übertragen.
Das zweitägige Programm befasst sich mit der Frage, wie KI den Journalismus umgestaltet und neue Fragen zu Ethik, Genauigkeit und redaktioneller Kontrolle aufwirft. In Keynotes, Workshops, Breakout-Sessions und Podiumsdiskussionen werden die schwierigsten Fragen der Konfliktberichterstattung inmitten von Desinformation, Storytelling nach Krisen und dem sich verändernden Medienumfeld im globalen Süden und darüber hinaus behandelt. Details finden Sie im vollständigen Programm des GMF 2025.
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