Freedom of Speech Award 2025: DW ehrt Tamar Kinzuraschwili

Die Geschäftsführerin und Chefredakteurin der Media Development Foundation und des Myth Detector ist eine zentrale Verfechterin der Pressefreiheit in Georgien.
DW-Intendant Peter Limbourg zur Verleihung des Freedom of Speech Awards: „Tamar Kinzuraschwilis Arbeit ist entscheidend im Kampf gegen Desinformation und zur Förderung der Medienkompetenz in Georgien. Ihre Bemühungen zur Bekämpfung inländischer sowie internationaler Propaganda sind unentbehrlich für die Presse- und Meinungsfreiheit sowie das Vertrauen in freie Medien. Das Land befindet sich derzeit am Scheideweg: Ein Parlament ohne aktive Opposition, ein eingefrorener EU-Beitrittsprozess und neue autoritäre Mediengesetze, die wir so schon aus Russland kennen. In Zeiten wie diesen ist Tamars Einsatz sicher nicht einfach – aber umso bedeutsamer für die Pressefreiheit und Demokratie.“
Der DW Freedom of Speech Award wird Tamar Kinzuraschwili am 7. Juli 2025 im Rahmen des DW Global Media Forums (GMF), der internationalen Medienkonferenz der DW, in Bonn verliehen.
Jahrelanger Einsatz gegen Desinformation in Georgien
Kinzuraschwili ist Geschäftsführerin der 2008 gegründeten, regierungsunabhängigen Media Development Foundation (MDF). Die Stiftung hat zum Ziel, grundlegende Menschenrechte und Freiheiten zu fördern und unterstützt georgische Medien bei der journalistischen und institutionellen Weiterentwicklung. Darüber hinaus ermöglichen das MDF und Kintsurashvili zahlreichen georgischen Schülerinnen und Schülern sowie jungen Erwachsenen Schulungen zum Thema Desinformation. Seit 2014 betreibt die Stiftung auch die Faktencheck-Plattform Myth Detector, deren Chefredakteurin Kinzuraschwili ist. Die Plattform deckt Desinformation auf, unterstützt die georgische Bevölkerung sowie Organisationen bei der Förderung von Medienkompetenz und klärt über die Gefahren von Desinformation auf.
In Zusammenarbeit mit der DW Akademie gründete Kinzuraschwili 2017 zudem das Myth Detector Lab und ermöglicht Journalistinnen und Journalisten in ganz Georgien auf diese Weise Zugang zu Faktenchecks und Wissenstransfer.
Demokratie und Medien in Georgien unter Druck
Seit Oktober 2024 kommt es in Georgien immer wieder zu Protesten gegen die Parlamentswahlen, bei der erneut die prorussische Partei "Georgischer Traum" gesiegt haben soll, was Wahlbeobachter anzweifeln. Wegen des Boykotts durch die Oppositionskräfte hat die Regierungspartei mittlerweile faktisch die volle Kontrolle über das Parlament.
Anfang April 2025 verschärfte die georgische Regierung die Mediengesetze, wodurch Medien und Nichtregierungsorganisationen in Georgien nun keine ausländischen Gelder mehr annehmen dürfen, ohne sich ein einem speziellen Register registrieren und kontrollieren zu lassen. Die staatliche „Kommunikationskommission“ erhielt erweiterte Befugnisse zur Inhaltsregulierung.
Das internationale Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) nannte die Änderungen "ein[en] Versuch, die Pressefreiheitunter dem Vorwand nationaler Sicherheitsbedenken einzuschränken". Der georgische Journalistenverband bezeichnete sie als "direkte Bedrohung für die Unabhängigkeit der Medien". Laut einem aktuellen Bericht von Reporter ohne Grenzen hat sich die Lage der Medienfreiheit in Georgien rapide verschlechtert. Im Ranking der Organisation fiel Georgien im Vergleich zu 2023 um 26 Plätze zurück und belegt nun Platz 103 unter 180 Ländern.
DW Freedom of Speech Award
Seit 2015 verleiht die DW den Freedom of Speech Award, um auf die eingeschränkte Pressefreiheit in vielen Weltregionen aufmerksam zu machen und die herausragende Arbeit von Journalistinnen und Journalisten sowie Verteidigern der Menschenrechte zu würdigen. Den Preis erhielten in der Vergangenheit unter anderem Julia Nawalnaja und die russische Stiftung gegen Korruption (2024), Óscar Martínez, Investigativjournalist und Chefredakteur der Onlineplattform El Faro in El Salvador (2023) und die nigerianische Investigativjournalistin Tobore Ovuorie (2021).