GMF26 eröffnet: „Journalismus muss hörbar bleiben“

Unter dem Motto „Journalism out loud“ haben DW-Intendantin Barbara Massing und NRW-Medienminister Nathanael Liminski das Global Media Forum 2026 der DW eröffnet.

Global Media Forum 2026 | Between innovation and dependence: Journalism’s love-hate relationship with Big Tech
Bild: Björn Kietzmann/DW

Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Wert von unabhängigem Journalismus und dessen Beitrag zu Demokratie und Sicherheit.

Die Eröffnungszeremonie auf YouTube sowie Fotos.  

„Unser Motto in diesem Jahr lautet ‚Journalisms out loud‘. Nicht, weil der Journalismus an sich lauter sein muss, sondern weil er in einer Welt, die immer lauter wird, weiterhin hörbar bleiben muss“, sagte DW-Intendantin Barbara Massing.

„Die gute Nachricht ist, dass etablierte Medienmarken nach wie vor die am häufigsten genutzten Informationsquellen sind – selbst in den sozialen Medien und bei KI, die die Menschen am häufigsten nutzen, um sich zu informieren. Das gibt uns eine starke Grundlage. Glaubwürdigkeit, Genauigkeit, Kontext und langfristiges journalistisches Engagement zahlen sich aus. (...) Digitale Plattformen und KI-Systeme profitieren enorm von journalistischen Inhalten – von Inhalten, die von anderen erstellt wurden; etwas, das wir in anderen Bereichen niemals akzeptieren würden. Deshalb brauchen wir nachhaltige Geschäftsmodelle, die Qualitätsjournalismus belohnen und sicherstellen, dass die Urheber der Inhalte an dem von ihnen geschaffenen Wert teilhaben. Auf diese Weise nutzen wir letztendlich technologische Innovation und journalistisches Fachwissen optimal für Demokratie und Sicherheit.“ 

Global Media Forum 2026 | Opening Ceremony | Barbara Massing
DW-Intendantin Barbara Massing Bild: Stephanie Englert/DW

Die DW-Akademie hat auf dem GMF die Metastudie „The Value of Journalism“ veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass unabhängiger Journalismus einen erheblichen gesellschaftlichen Mehrwert schafft: “Die Studie zeigt, dass jeder US-Dollar, der für den Journalismus ausgegeben wird, der Öffentlichkeit durch zurückgewonnene Gelder, verbesserte öffentliche Dienstleistungen und weniger Korruption Einsparungen von mehr als 100 US-Dollar bringen kann. Im Gegensatz dazu verursachen Desinformationen den Gesellschaften weltweit Schätzungen zufolge jährlich Kosten in Höhe von 350 bis 500 Milliarden Dollar”, so Massing.

Der nordrhein-westfälische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien, Nathanael Liminski, hob in seiner Begrüßungsrede hervor, wie wichtig die Unterstützung des Journalismus und der Erhalt wirtschaftlich tragfähiger Medienunternehmen sind: „Diejenigen, die für Informations- und Meinungsvielfalt sorgen, haben es in Europa, in Deutschland, immer schwerer, ihre Arbeit zu finanzieren – nicht nur weltweit, sondern auch hier vor Ort. Deshalb müssen wir die journalistische Arbeit weiterhin wertschätzen. Und Medienunternehmen müssen wirtschaftlich überlebensfähig bleiben. Andernfalls laufen wir Gefahr, die Medienvielfalt und die Vielfalt der Perspektiven zu verlieren. Und damit würden wir eine der Grundsäulen unserer Demokratien schwächen.“

Global Media Forum 2026 | Welcome remarks: Minister Nathanael Liminski
NRW-Medienminister Nathanael Liminski Bild: Björn Kietzmann/DW

Er fügte hinzu: „Plattformen, die in Europa gutes Geld verdienen, sollten auch einen fairen Beitrag zum Medienökosystem leisten, von dem sie profitieren.“

Das 19. Global Media Forum der DW bringt mehr als 1.400 Teilnehmer aus mehr als 100 Ländern im World Conference Center Bonn (WCCB) zusammen. Zwei Tage lang werden sich die Teilnehmer mit zentralen Fragen der heutigen Medienlandschaft auseinandersetzen: Wie kann man politischem Druck und Zensur standhalten, relevant bleiben angesichts von KI und Big Tech, vertrauenswürdige Informationen schützen, neue Zielgruppen ansprechen und den investigativen Journalismus in einer fragmentierten Medienlandschaft stärken?  

Heute auf dem Programm

Die Eröffnungsdiskussion „Journalism out loud: Für unabhängige Berichterstattung eintreten“ bringt Jodie Ginsberg (Committee to Protect Journalists), die türkische Journalistin Elif Akgül, die iranische Journalistin Hannah Kaviani (Radio Farda) und den nigerianischen Journalisten Fisayo Soyombo zusammen, die aus der Perspektive ihrer jeweiligen Regionen und ihrer journalistischen Erfahrung darüber debattieren, welchem Druck unabhängiger Journalismus ausgesetzt ist.  

Die anschließenden Sessions „Zwischen Innovation und Abhängigkeit: Die Hassliebe des Journalismus zu den Big-Tech-Unternehmen“ und „Regulierung des Newsfeeds: Wie Governance die Nachrichten in den sozialen Medien prägt“ befassen sich mit der Macht digitaler Plattformen, der Verantwortlichkeit in sozialen Medien und der Zukunft der Nachrichtenverbreitung.  

Der Tag endet mit der Verleihung des DW-Preises für Meinungsfreiheit „Freedom of Speech Award“, mit dem der Hongkonger Medienunternehmer und Demokratieverteidiger Jimmy Lai geehrt wird. Seine Tochter wird den Preis in seinem Namen entgegennehmen, die Laudatio hält Jodie Ginsberg, Geschäftsführerin des „Committee to Protect Journalists“.

Über das DW Global Media Forum

Das jährliche DW Global Media Forum bietet eine einzigartige interdisziplinäre Plattform für Medienschaffende sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Zivilgesellschaft, Kultur, Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft aus aller Welt, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Das Global Media Forum wird durch das Auswärtige Amt, das Land Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse in Bonn, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Stadt Bonn unterstützt. dw.com/gmf