Jimmy Lai erhält DW Freedom of Speech Award 2026

Die DW verleiht den 12. DW Freedom of Speech Award an den Medienunternehmer Jimmy Lai. Der seit 2020 inhaftierte Gründer der Zeitung „Apple Daily“ ist prominenter Verfechter von Pressefreiheit und Demokratie in Hongkong.

Prozess gegen Verleger Jimmy Lai in Hongkong
Bild: Anthony Wallace/AFP

DW-Intendantin Barbara Massing zur Verleihung des Freedom of Speech Awards: „Jimmy Lai hat unter hohem persönlichem Risiko unbeirrt für die Pressefreiheit in Hongkong eingestanden, selbst als der Raum für unabhängigen Journalismus immer kleiner wurde. Mit Apple Daily gab er Journalistinnen und Journalisten den Raum für freie Berichterstattung, sowie der Demokratiebewegung in Hongkong eine Stimme. Sein Einsatz erinnert uns daran, dass Pressefreiheit nie selbstverständlich ist, sondern täglich verteidigt werden muss. Mit dem DW Freedom of Speech Award würdigen wir seinen unermüdlichen Einsatz für demokratische Werte.“

Der DW Freedom of Speech Award wird am 23. Juni 2026 im Rahmen des DW Global Media Forums (GMF), der internationalen Medienkonferenz der DW, in Bonn verliehen.

Jahrzehntelanger Einsatz für Demokratie und Pressefreiheit

Jimmy Lai wurde 1947 im Süden Chinas geboren und flüchtete als Kind 1960 nach Hongkong, wo er 1995 die pro-demokratische Zeitung „Apple Daily“ gründete. In den Folgejahren entwickelte sich Lai, der britischer Staatsbürger ist, zu einem der prominentesten Verfechter der Demokratie in Hongkong, unterstützte demokratische Parteien sowie Politiker finanziell und trat bei den Hongkonger Massenprotesten 2019 und 2020 immer wieder öffentlich auf. Nach der Einführung des chinesischen Sicherheitsgesetzes für Hongkong im Juni 2020 wurde Lai später verhaftet und befindet sich seit Dezember 2020 in Isolationshaft. Ungeachtet seiner britischen Staatsbürgerschaft verweigern die Behörden in Hongkong dem Vereinigten Königreich weiterhin den konsularischen Zugang zu ihm.

Anfang 2026 wurde Jimmy Lai von einem Gericht in Hongkong zu 20 Jahren Haft verurteilt, nachdem er im Dezember 2025 nach einem zweijährigen Gerichtsverfahren wegen „Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften“ und Verschwörung zur Veröffentlichung „aufrührerischen Materials“ schuldig gesprochen wurde.

„Einer der Gründe, warum man dich in Isolationshaft steckt – in der sich mein Vater inzwischen seit mehr als fünf Jahren befindet – ist, dir zu vermitteln, dass sich niemand für dich interessiert und dass du allein sterben wirst. Doch all diese Unterstützung und diese Auszeichnung zeigen, dass das nicht stimmt. Dass Menschen, die für Freiheit kämpfen, Menschen, die für die Freiheit anderer kämpfen, niemals allein sind“, sagt Jimmy Lais Sohn Sebastien im exklusiven Interview mit der DW.

Pressefreiheit in Hongkong unter Druck

Lai wird Aufwiegelung und Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften vorgeworfen – Vorwürfe, die auf sein Engagement für die Demokratie sowie seine Tätigkeit als Journalist und Verleger zurückzuführen sind und die er stets zurückgewiesen hat. Im selben Verfahren erhielten acht mitangeklagte Ex-Redakteure von Lais mittlerweile eingestellter Zeitung „Apple Daily“ sowie weitere Demokratieaktivisten Haftstrafen zwischen sechs Jahren und drei Monaten sowie zehn Jahren.

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International kritisierten das Strafmaß  , die britische Außenministerin Yvette Cooper kritisierte das Urteil gegen Lai, das sie als „gleichbedeutend mit einer lebenslangen Haftstrafe“ nach einer „politisch motivierten Strafverfolgung“ bezeichnete, und äußerte Besorgnis über den sich verschlechternden Gesundheitszustand Lais.Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong wurde in Asien lange für seine Pressefreiheit geschätzt, doch seit der Verabschiedung des Nationalen Sicherheitsgesetzes durch China im Jahr 2020 hat sich die Lage der Pressefreiheit in Hongkong laut „Reporter ohne Grenzen“ drastisch verschlechtert: In der Rangliste der Pressefreiheit 2026 belegt Hongkong Platz 140, China Rang 178 von 180.

DW Freedom of Speech Award 

Seit 2015 verleiht die DW den Freedom of Speech Award, um auf die eingeschränkte Pressefreiheit in vielen Weltregionen aufmerksam zu machen und die herausragende Arbeit von Journalistinnen und Journalisten sowie Verteidigern der Menschenrechte zu würdigen. Den Preis erhielten in der Vergangenheit unter anderem die georgische Journalistin Tamar Kinzuraschwili (2025), Julia Nawalnaja und die russische Stiftung gegen Korruption (2024) sowie Óscar Martínez, Investigativjournalist und Chefredakteur der Onlineplattform El Faro in El Salvador (2023).