Türkei: DW-Korrespondent festgenommen

Ein Korrespondent, der seit mehreren Jahren in der Türkei für die DW tätig ist, wurde am 19. Februar in Ankara verhaftet und in den Hauptsitz der Istanbuler Provinzpolizei gebracht, die höchste Polizeibehörde Istanbuls.

Frankfurt | Alican Uludağ Journalist | Auszeichnung Raif Badawi Award
Bild: Erkan Arıkan/DW

Er soll am 20. Februar dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Korrespondent Alican Uludağ ist ein in der Türkei sehr bekannter Investigativjournalist. Am Donnerstagabend wurde er vor den Augen seiner Familie von etwa dreißig Polizisten verhaftet und abgeführt. Seine Wohnung wurde durchsucht und IT-Geräte mitgenommen.  

Der Vorwürfe gegen ihn lauten "Verbreitung irreführender Informationen an die Öffentlichkeit", "Beleidigung des Präsidenten" sowie "Beleidigung der türkischen Nation, des Staates und der Institutionen". Die Vorwürfe beziehen sich auf einen X-Post, den er vor etwa eineinhalb Jahren abgesetzt hatte. Darin äußert er sich kritisch gegenüber Maßnahmen der türkischen Regierung, die mögliche ISIS-Terroristen freigelassen habe. Der Regierung warf er Korruption vor. Als langjähriger Gerichtsreporter berichtet Uludağ über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse, die eine breite Öffentlichkeit erreichen. 

DW-Intendantin Barbara Massing: “Der Vorwurf gegen unseren Kollegen ist haltlos. Alican Uludağ ist ein bekannter Investigativjournalist, der unter anderem zu Korruption recherchiert, sehr gut vernetzt ist und Zugang zu wichtigen Quellen hat. Damit kann er der Regierung – in ihren Augen – gefährlich werden. Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von dreißig Polizisten abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten Einschüchterung und zeigt, wie massiv die Regierung Pressefreiheit unterdrückt. Unser Kollege muss umgehend freigelassen werden!"

Die DW steht in engem Kontakt mit den Angehörigen des Kollegen, mit lokalen Anwälten und weiteren relevanten Stellen vor Ort. Am Freitag wird Alican Uludağ von DW-Kollegen, den Anwälten sowie Juristen der Istanbuler Anwaltskammer zum Haftrichter begleitet. 

Erst am 23. Januar wurde ein DW-Korrespondent in Niger verhaftet. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Auch in diesem Fall steht die DW in engem Austausch mit seinen Angehörigen sowie Anwälten vor Ort.