Ungarn: Pro-russische Doppelgänger-Kampagne nutzt DW-Marke

Die Deutsche Welle DW beschreibt in einem aktuellen Faktencheck eine prorussische Desinformationskampagne im Rahmen des Wahlkampfs in Ungarn: Gefälschte Videos sollten Empörung gegen ukrainische Geflüchtete erzeugen.

DW-Faktencheck | Ungarn 2026 |  Kombobild aus drei gefälschten pro-Orbán und anti-ukrainischen Videos
Bild: Telegram, X

Seit 2016 macht der International Fact-Checking Day am 2. April auf die Arbeit der Faktenchecker und ihren Kampf gegen Desinformation aufmerksam. Die gezielten Fälschungen, die der aktuelle DW-Faktencheck beschreibt und die Experten dem russischen “Matrjoschka”-Netzwerk zuordnen, missbrauchen damit die Glaubwürdigkeit und Reichweite des ungarischen Dienstes der DW, um die Parlamentswahl am 12. April zu beeinflussen.

Im Vorfeld der Wahl verbreitete ein Bot-Netzwerk gefälschte Videos, die angeblich von Medien wie Reuters oder der DW stammen – mit dem Narrativ, dass ukrainische Flüchtlinge einen Anschlag auf Ungarns Staatschef Viktor Orban geplant hätten. Beides ist falsch: Weder gibt es Hinweise auf solche Anschlagspläne, noch haben Medien wie die DW darüber berichtet, wie ein DW Faktencheck klarstellt. Die DW stellt über YouTube, Facebookund TikTokseit 2021 unabhängige Informationen auf Ungarisch bereit und erreicht damit durchschnittlich 4,7 Millionen Aufrufe monatlich. 

Mathias Stamm, DW Chefredakteur: „Der von Bots verstärkte Fake-Video-Fall aus Ungarn zeigt, wie skrupellos Desinformation heute eingesetzt wird, um Misstrauen zu schüren und politische Narrative zu verzerren. Gerade deshalb braucht es sorgfältig recherchierte Faktenchecks, die diese Täuschungen entlarven und Menschen Orientierung bieten. Die DW steht fest zu diesem Anspruch – in allen unseren Redaktionen und Sprachen weltweit."

In diesem Fall handelt es sich um „Media Spoofing", eine Desinformationstaktik, bei der Täter Medienmarken imitieren, um falsche Narrative glaubwürdig erscheinen zu lassen, zum Beispiel mit Fake-Webseiten oder Fake-Videos. Ziel ist es, das Vertrauen in seriöse Quellen auszunutzen und Menschen dazu zu bringen, manipulierte Informationen für authentisch zu halten. Die jüngsten Videos, die dank aktiver Bot-Netzwerke über 100.000 Menschen in den Sozialen Medien erreichten, sind nach Einschätzung von Experten Teil der Desinformationsoperation „Matrjoschka" (auch „Operation Overload" genannt), einer pro-russischen Kampagne, die vor allem Medien und Faktencheck-Redaktionen ins Visier nimmt und gefälschte Narrative pusht. 

Die DW hat ihre Fähigkeiten in der Verifikation zuletzt ausgebaut, unter anderem mit einem DW-internen Verifikationsservice und dem Ausbau des Faktencheck-Formats, das nun in Englisch, Deutsch, Arabisch, Spanisch, Chinesisch, Indonesisch, Hindi, Tamil und Urdu angeboten wird. Die DW ist zudem Teil der Faktencheck-Netzwerke von EBU und ARD. Die Arbeit der Faktenchecker, also Journalisten, die potenzielle Falschaussagen und Desinformation überprüfen und ihnen faktenbasierte Information entgegenhalten, wird dabei zunehmend schwieriger. 

Dass auch Regierungen explizit gegen Faktenchecker vorgehen, zeigt eine neue Qualität im politischen Diskurs und wirft Fragen der Pressefreiheit auf: Die Trump-Regierung hat ihre Beamten angewiesen, ausländischen Faktencheckern US-Visa zu verweigern – weil sie angeblich „Zensur" der freien Meinungsäußerung betrieben. Das International Fact-checking Network (IFCN), zu dem auch die DW gehört, hatte diesen Schritt kritisiert und die Vorwürfe zurückgewiesen. Mehr als 160 Medienhäuser weltweit sind inzwischen durch das IFCN zertifiziert und arbeiten international vernetzt.

Immer komplexere Desinformationstechniken, politischer Druck und ein postfaktischer Diskurs in sozialen Netzwerken erschweren die Arbeit von Faktencheckern weltweit. Gleichzeitig nimmt KI-basierte Desinformation stark zu, da entsprechende Inhalte heute schnell und mit geringem Aufwand erstellt werden können.

Joscha Weber, Head of DW Fact-checking: „Mehr als die Hälfte aller Texte im Netz sind inzwischen KI-generiert, die Zahl der Deepfakes steigt sprunghaft an  und die Qualität der manipulativen KI-Fakes wird immer besser. Deshalb verbessern wir auch unsere journalistische Antwort des Fact-checkings kontinuierlich, und das heißt in diesem Fall: mehr Technologie, mehr Verifikations-Skills, mehr Medienkompetenz für unser Publikum."

Das Faktencheckteam der DW liefert Aufklärung zu viralen Fakes und Falschaussagen in zahlreichen Sprachen, sowohl auf der Website als auch auf Social Media. Laut Studien reduzieren Faktenchecks den Glauben an Falschinformation signifikant und schützen Menschen auch präventiv, in der Folge Falschinformationen zu glauben.