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Afrika: Krisenländer unter dem Radar der Öffentlichkeit

Veröffentlicht 11. Januar 2024Zuletzt aktualisiert 11. Januar 2024

Angola, Sambia und Burundi - die schweren humanitären Krisen dort werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Das Hilfswerk CARE verweist in seinem jüngsten Bericht auf insgesamt zehn betroffene Länder in Afrika.

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Frauen befüllen an einer Wasserpumpe Schüsseln und Plastikkanister
Eine Wasserpumpe in einem Dorf bei Kuito in AngolaBild: Thomas Schulze/dpa/picture-alliance

Auf Platz eins der Rangliste der "vergessenen Länder in Not" liegt nach Angaben der Nichtregierungsorganisation CARE Angola, ein Staat an der Südwestküste Afrikas. Dürren, Überschwemmungen und Hunger hätten dort im vergangenen Jahr dazu geführt, dass 7,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigten, heißt es im CARE-Bericht mit dem Titel "Breaking the Silence" (Das Schweigen brechen) für das Jahr 2023. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Wetterextreme dort aufgrund der Klimakrise noch verstärkten. Derzeit herrscht laut Hilfsorganisationen die schlimmste Dürre seit 40 Jahren.

Nur 28 Prozent der angolanischen Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser. Zudem gilt Angola mit seinen rund 37 Millionen Einwohnern durch vergangene Kriege als eines der am stärksten verminten Länder der Erde. Der Staat hatte bereits 2022 die Rangliste angeführt.

"Die weltweite humanitäre Not war noch nie so groß wie 2023", sagte der Generalsekretär von CARE Deutschland, Karl-Otto Zentel. Angesichts neuerer Ereignisse wie die Erdbeben in Syrien und der Türkei, der Krieg in der Ukraine sowie der eskalierende Konflikt im Nahen Osten gerieten die Krisen in Afrika in den Hintergrund.

Karl-Otto Zentel
CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel (Archivbild) Bild: Metodi Popow/IMAGO

"Viele Krisen in Afrika existieren seit langer Zeit, es gibt wenig Entwicklung oder Veränderung. Dementsprechend schwierig ist es, die Aufmerksamkeit für diese Kontexte aufrecht zu erhalten", erklärte Zentel weiter. Zudem sänken die personellen und finanziellen Ressourcen der Medien, worunter vor allem die relativ teure Auslandsberichterstattung leide.

Laut CARE benötigen auch in diesem Jahr wieder fast 150 Millionen Menschen in Afrika humanitäre Hilfe. Das sei etwa die Hälfte der Hilfsbedürftigen weltweit.

Platz zwei: Sambia

Nach Angola folgt auf dem zweiten Platz der "vergessenen Länder" mit dramatischen humanitären Krisen Sambia. In dem Land in Zentralafrika sind 1,35 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Mehr als 60 Prozent der gut 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner leben von weniger als umgerechnet 1,90 Euro pro Tag. Das Land leidet besonders unter den Folgen des Klimawandels. Auf Überflutungen und Hochwasser folgten extreme Temperaturen und monatelange Phasen von Dürre.

Eine Frau pflanzt und begießt kleine Bäumchen
Ein Klimaprojekt der Hilfsorganisation CARE im Dorf Limbuwa in Sambia Bild: Peter Caton/CARE

Ähnliches gilt auch für Burundi - Platz drei der Liste. Der zentralafrikanische Binnenstaat mit rund 13 Millionen Einwohnern gilt als ärmstes Land der Welt. Die Bevölkerung leidet regelmäßig unter Überschwemmungen. 5,6 Millionen Kinder sind chronisch unterernährt.

Platz vier belegt Senegal. 1,4 Millionen Menschen sind in dem westafrikanischen Land von Ernährungsunsicherheit betroffen. Vor allem während der Trockenzeit steigt unter den rund 18 Millionen Einwohnern die Zahl derjenigen stark, die unter Hunger oder Mangel- und Unterernährung leiden.

Ziegen an einer Wasserstelle
Ein Ziegenhirte mit seiner Herde in der Region Matam im Senegal Bild: John Wessels/Getty Images/AFP

Im westafrikanischen Mauretanien - Platz fünf auf der Liste - lebt jeder vierte der knapp fünf Millionen Bewohner in Armut.

Platz sechs belegt die Zentralafrikanische Republik mit rund 5,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Hier gibt es die sechsthöchste Kindersterblichkeit weltweit. Nur 55 Prozent der Kinder beenden die Grundschule. Mädchen haben nur eingeschränkten Zugang zu Bildung. Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet, wie CARE weiter deutlich macht.

Auf dem siebten Platz folgt Kamerun. In dem Land in Zentralafrika benötigt jeder sechste Mensch humanitäre Hilfe. Drei Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Bewaffnete Konflikte destabilisieren das Land mit seinen knapp 29 Millionen Menschen.

Schlusslichter: Burkina Faso, Uganda und Simbabwe

Der westafrikanische Binnenstaat Burkina Faso (übersetzt: Land der aufrichtigen Menschen) und seine gut 22 Millionen Einwohner liegen auf Platz acht. Unterhalb der Armutsgrenze leben hier 8,8 Millionen Menschen. 

Platz neun belegt Uganda. In dem ostafrikanischen Binnenstaat ist der Zugang zu medizinischer Versorgung unsicher. Klimabedingte Ernteausfälle führen zu Hungersnöten unter den knapp 49 Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern.

Mädchen durchsucht Müll
Ein junges Mädchen in Simbabwe durchsucht Müll nach etwas Essbarem (Archivbild) Bild: picture-alliance/dpa

Simbabwe mit knapp 17 Millionen Menschen bildet das Schlusslicht im CARE-Ranking. Fast die Hälfte aller Bewohner in dem südafrikanischen Land ist von extremer Armut betroffen. Durch mangelhafte hygienische Versorgung ist die Seuchengefahr groß.

Seit 2016 bringt CARE die Studie zu den medial unterrepräsentierten Krisenregionen heraus. Für den jüngsten Bericht werteten Experten fünf Millionen Online-Artikel im Zeitraum vom 1. Januar 2023 bis zum 30. September 2023 aus. Neben deutschsprachigen Texten wurden auch arabische, englische, französische und spanische Artikel über insgesamt 48 Krisen, die jeweils mehr als eine Million Menschen betreffen, analysiert. Daraus ermittelte CARE jene zehn Krisenländer mit der geringsten medialen Präsenz.

se/pg (kna, epd, dpa, care.de)