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Deutsche Bank überrascht mit Milliardengewinn

26. Oktober 2022

Deutschlands größtes Geldhaus hat im dritten Quartal überraschend einen Milliardengewinn erzielt. Das Ende der Nullzinspolitik und die Erträge von Unternehmenskunden fangen dabei die Flaute im Investmentbanking auf.

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FRankfurt | Symbolfoto Deutsche Bank
Bild: Christoph Hardt/Geisler-Fotopres/picture alliance

Krieg in der Ukraine, Rekord-Inflation, Rezessionssorgen - das Umfeld für die Finanzbranche ist unsicher. Die Deutsche Bank strich trotzdem einen Milliardengewinn ein. Die Ziele für das laufende Jahr könnten also erreicht werden, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch in Frankfurt mit. Man rechne weiter mit einer Rendite von acht Prozent auf das materielle Eigenkapital, was Analysten bisher für unrealistisch hielten.

Im dritten Quartal verdiente die Deutsche Bank vor Steuern rund 1,6 Milliarden Euro - fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Es war zudem das höchste Vorsteuerergebnis in einem dritten Quartal seit 2006.

Unter dem Strich erwirtschaftete das Geldhaus einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro, Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Nettogewinn von 835 Millionen Euro gerechnet. "Wir haben unser höchstes Ergebnis seit mehr als einem Jahrzehnt erzielt", sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.  Es war der neunte Quartalsgewinn in Folge für die Deutsche Bank.

Investment-Sparte überzeugt nicht

Die Gewinne aus dem Investmentbanking stiegen im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 2,37 Milliarden Euro. Insidern zufolge entlässt das Institut dennoch wegen des schwachen Geschäfts mit Übernahmen und Fusionen mehrere Dutzend Investmentbanker in London und New York. Die Bank rechnet damit, dass die volatilen Kapitalmärkte die Erträge in der Investmentbank weiterhin belasten werden, die Zinswende lässt die Gewinne im Wertpapiergeschäft aber steigen.

Deutschland Christian Sewing CEO of Deutsche Bank AG ARCHIV
Bankchef Sewing ist optimistisch: "Wir liegen voll auf Kurs, unsere Ziele für das Jahr 2022 zu erreichen."Bild: Ralph Orlowski/REUTERS

"Voll auf Kurs"

Die Gesamterträge stiegen um 15 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. "Wir liegen voll auf Kurs, unsere Ziele für das Jahr 2022 zu erreichen", erklärte Bankchef Sewing. "Seit wir unsere Strategie im Juli 2019 verkündet haben, haben wir uns zu keiner Zeit von unserem Weg abbringen lassen - trotz der so großen Veränderungen und gesamtwirtschaftlichen Schocks der vergangenen zwei Jahre."

Auch dank der gestiegenen Zinsen hält Sewing es jetzt für möglich, dass die gesamten Erträge in diesem Jahr die bisherige Prognose von 26 bis 27 Milliarden Euro übertreffen. Mit Blick auf sein Renditeziel liegt das Geldhaus im bisherigen Jahresverlauf auf Kurs: In den ersten neun Monaten lag die Rendite auf das materielle Eigenkapital bei 8,1 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie lediglich 4,8 Prozent erreicht.

"Solides Kreditbuch"

Auf das erhöhte Risiko für Kreditausfälle reagierte die Bank mit einer Risikovorsorge in Höhe von 350 Millionen Euro - das dreifache wie im Vorjahresquartal, als die Risikovorsorge noch 117 Millionen Euro betrug. "Wir sind von unserem soliden

Kreditbuch aber weiterhin überzeugt und haben unsere Prognose bekräftigt, dass wir für das Gesamtjahr eine Risikovorsorge von etwa 25 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens erwarten", schrieb Sewing an die Mitarbeiter der Bank.

Für Investoren gelten die Quartalszahlen der Deutschen Bank und mehrerer anderen europäischen Institute, wie Barclays, Unicredit und Santander, die am Mittwoch ihre Zahlen vorlegen, als wichtiger Indikator für die Auswirkungen der Energiekrise, der Abkühlung in der Weltwirtschaft und der Erhöhung des Leitzinses.

dk/hb (dpa, rtr)