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LiteraturÖsterreich

Deutscher Buchpreis 2023 geht an Tonio Schachinger

16. Oktober 2023

Der österreichische Autor Tonio Schachinger erzählt in dem Roman "Echtzeitalter" die Geschichte eines Wiener Teenagers, der mit Computerspielen seine Welt erobert. Dafür erhielt er in Frankfurt den Deutschen Buchpreis.

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Tonio Schachinger
In Frankfurt ausgezeichnet: Tonio SchachingerBild: DW

Wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main bekanntgab, ist der österreichische Schriftsteller Tonio Schachinger Gewinner des Deutschen Buchpreises 2023. Die Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung im Rathaus Römer am Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse wurde per Livestream übertragen. Bereits vor vier Jahren stand Schachinger mit seinem Debüt "Nicht wie ihr" auf der Shortlist für den renommierten Literaturpreis.

Der Coming-of-Age-Roman "Echtzeitalter" erzählt die Geschichte des Gymnasiasten Till, der ein Wiener Eliteinternat besucht. Es geht um den Zerfall der Familie, um Freundschaften, die erste Liebe. Und es geht ums Gaming, denn die Pubertät von Till spielt sich zu großen Teilen im Netz ab.

Jury lobt Tonio Schachingers "feinsinnige Ironie" 

"Mit feinsinniger Ironie spiegelt Schachinger die politischen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart: Aus gebildeten Zöglingen spricht die rohe Gewalt. Die Welt der Computerspiele bietet einen Ort der Fantasie und Freiheit", heißt es in der Begründung der Jury. Auf erzählerisch herausragende und zeitgemäße Weise verhandle der Text die Frage nach dem gesellschaftlichen Ort der Literatur.

Deutscher Buchpreis an Tonio Schachinger für "Echtzeitalter"

In seiner Dankesrede erinnerte der neue Preisträger an die Eskalation im Nahen Osten nach dem Angriff der Hamas auf Israel. "Wir wissen alle, dass das hier nicht das Wichtigste ist." Er empfinde es als "unerträglich" zu sehen, was derzeit auf der Welt passiere. Es sei aber auch schwer, darüber zu sprechen.

Schachinger wurde 1992 im indischen Neu-Delhi geboren, studierte Germanistik und Sprachkunst in Wien und lebt dort heute. Neben ihm standen in der Endrunde noch Terézia Mora ("Muna oder Die Hälfte des Lebens"), Necati Öziri ("Vatermal"), Anne Rabe ("Die Möglichkeit von Glück"), Sylvie Schenk ("Maman") sowie Ulrike Sterblich ("Drifter").

In diesem Jahr waren insgesamt 196 Romane von 113 deutschsprachigen Verlagen ins Rennen gegangen. Im August gab die siebenköpfige Jury dann ihre Vorauswahl, die 20 Titel umfassende Longlist bekannt, im September folgte die Shortlist mit den sechs Finalisten.

Hohes Preisgeld für Buchpreisträger

Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird seit 2005 verliehen. Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro.

Vergeben wird der Buchpreis von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Im vergangenen Jahr hatten 124 Verlage 202 Werke eingereicht. Der Preis ging dann an Kim de l'Horizon für den Roman "Blutbuch".

kle/hf (dpa, afp, epd)