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Die Quadriga in Berlin - bald auch in Gips

Petra Lambeck
20. September 2021

Aufgestellt, entführt, zurückgeholt, zerstört: Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor hat eine bewegte Geschichte. Nun entsteht eine Kopie aus Gips.

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Mitarbeiter der Gipsformerei montieren in der Schauwerkstatt im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus die Einzelteile des aus Gips angefertigten Referenzmodells des Pferdes von der Quadriga des Brandenburger Tores zusammen
In der Schauwerkstatt im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin werden die Einzelteile des aus Gips angefertigten Referenzmodells des Pferdes von der Quadriga des Brandenburger Tores zusammengeführt Bild: Monika Skolimowska/dpa/picture alliance

Zusammen mit dem Brandenburger Tor ist sie eines der markantesten Wahrzeichen Berlins. Die Quadriga - vier Pferde und die Friedensgöttin Eirene im Triumphwagen - wurde im Auftrag des preußischen Königs 1793 von Johann Gottfried Schadow erschaffen, dem Begründer der Berliner Bildhauerschule des Klassizismus. Lange durfte Eirene damals allerdings nicht über die Stadt blicken.

1806 marschierte Napoleon in Berlin ein. Die Skulptur gefiel ihm und so ließ er die Quadriga kurzerhand demontieren und in Kisten verpackt nach Paris bringen. Eine Demütigung für die Berliner, die sich ihre Quadriga jedoch wenige Jahre später - nach dem Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht- zurückholten. Die Göttin wurde in diesem Zuge umgedeutet: Bei der Wiederaufstellung in Berlin bekam sie einen Stab mit einem eisernen Kreuz und dem preußischen Adler darüber in die Hand und wurde zur Siegesgöttin Viktoria. 

Holzstich: Zu sehen sind französische Soldaten, die die Quadriga abmontieren, rechts im Bild steht Napoleon.
Holzstich (um 1870): Französische Soldaten demontieren die Quadriga auf dem Brandenburger Tor. Napoleon (rechts außen) sieht ihnen dabei zu. Bild: picture alliance/akg-image

Im Zweiten Weltkrieg zerstört 

Die Quadriga, die heute auf dem Brandenburger Tor steht, ist eine Kopie des damaligen Originals. Letzeres wurde im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört. Von der ursprünglichen Skulptur ist nur noch ein Pferdekopf erhalten, der heute im Märkischen Museum Berlin ausgestellt ist. Die Restaurierung von Brandenburger Tor und Quadriga in den 1950er-Jahren war ein Gemeinschaftsprojekt von Ost- und Westberlin. Der Osten war für das Renovieren des Bauwerks zuständig, der Westen für die Erstellung der Skulptur. Anhand von Gipsabdrücken, die noch während des Krieges von der Quadriga gemacht worden waren, entstand die Kopie, die 1958 wieder aufs Brandenburger Tor gestellt wurde - allerdings ohne Eisernes Kreuz und Adler. 

Ein Kran vor dem Brandenburger Tor, auf dem die Statue der Göttin zu sehen ist.  Die Pferde fehlen noch (schwarz-weiß-Aufnahme).
Berlin 1958: Die Quadriga wird auf das frisch renovierte Brandenburger Tor gesetzt - ohne Kreuz und AdlerBild: Gert Schuetz/akg-images/picture-alliance

Erst Symbol der Trennung, dann der Wiedervereinigung

Die Berliner Mauer, die 1961 gebaut wurde, verlief auf der westlichen Seite in einem Bogen direkt um das Tor herum, sodass das Tor 28 Jahre lang quasi kein Tor mehr war. Dann kam der 9. November 1989: Die Mauer fiel und das Brandenburger Tor wurde samt Quadriga zum Symbol der deutschen Wiedervereinigung. Allerdings mussten die Göttin und ihre Pferde wieder leiden: In der ersten gemeinsamen Silvesternacht 1989/90 erklommen Feiernde das Gebäude und die Quadriga wurde stark beschädigt. Bei der darauffolgenden Restaurierung erhielt die Göttin dann den Preußen-Adler und das Eiserne Kreuz zurück, die heute noch dort zu sehen sind.  

Zahlreiche Menschen sind in der Nacht auf die Quadriga-Statue auf dem Brandenburger Tor geklettert und schwenken die deutsche Flagge.
Silvester 1989/90: Menschen aus Ost und West feiern in der Nacht auf dem Brandenburger TorBild: Peter Kneffel/dpa/picture alliance

Eine dritte Quadriga in Gips

Nachdem die Original-Quadriga aus dem 18. Jahrhundert sowie ihre Kopie aus dem 20. Jahrhundert beide aus Kupferblech gefertigt wurden, soll nun in Berlin eine dritte Quadriga entstehen, und zwar aus Gips. Grundlage der Rekonstruktion sind die Gipsabgüsse, anhand derer die Kupferblech-Kopie der Original-Quadriga in den 1950er-Jahren erschaffen wurde. Die ursprünglichen Negativformen, die während des Krieges abgenommen wurden, sind inzwischen verloren. Die positiven Abgüsse hingegen lagerten über die Jahre hinweg in unterschiedlichen Berliner Depots und werden nun in einer offenen Werkstatt im Mauer-Mahnmal im Deutschen Bundestag zusammengeführt.Der Prozess kommt einem großen Puzzle gleich, bei dem zu entscheiden ist, ob und wie Fehlstellen ergänzt werden können. Besucherinnen und Besucher können ihn nun wieder vor Ort verfolgen, nachdem das Mauer-Mahnmal coronabedingt über mehrere Monate hinweg geschlossen blieb. Die Arbeit des Restaurationsteams lief aber weiter. 

Am Ende des auf zwei Jahre ausgelegten Prozesses soll im Berliner Mauer-Mahnmal eine Rekonstruktion der Quadriga stehen, die noch näher am Original ist als die derzeitige Kopie auf dem Brandenburger Tor, da sie weniger handwerksbedingte Überarbeitungen aufweisen wird. 

Und man kann sich ein Bild von der Größe der Skulptur machen (siehe Artikelfoto). Rund fünf Meter misst die Göttin - was in 20 Metern Höhe auf dem Brandenburger Tor wesentlich kleiner aussieht. 

Der obere Teil des Brandenburger Tores mit der Quadriga, im Hintergrund blauer Himmel.
Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor - so wie sie heute zu sehen istBild: Dirk Pagels/SULUPRESS.DE/picture alliance