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Immer mehr Kriegsverbrechen in Myanmar

8. August 2023

Die Gewalttaten des Militärs in dem südostasiatischen Land sind nach einem Bericht der UN "immer häufiger und dreister" geworden. Dazu gehört auch das Niederbrennen von Wohnhäusern.

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Myanmar | Zerstörtes Dorf Mingin
Dem Erdboden gleich gemacht: das Dorf Mingin in der Region Sangain (Archiv)Bild: REUTERS

"Unsere Beweismittel deuten auf einen dramatischen Anstieg der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit hin", sagte Nicholas Koumjian, Leiter der vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzten Untersuchungsgruppe, in Genf.

Immer öfter würden in Myanmar Wohnhäuser niedergebrannt und ganze Dörfer zerstört. Die Junta bezeichne dies als Angriffe auf Militärziele. Sie müsse sich aber im Klaren sein, dass dort große Zahlen von Zivilisten leben, hieß es in Genf weiter.

Unter den Vorfällen war ein Angriff auf Sagaing, wo zuletzt im April 2023 nach Berichten mehr als 155 Menschen ums Leben kamen, wie die Ermittler in ihrem Jahresbericht schreiben. Es würden auch mehr Zivilisten und gefangengehaltene Regimegegner hingerichtet als in den ersten Monaten nach dem Putsch im Februar 2021, hieß es weiter.

Luftangriff auf Myanmar
Überreste eines Luftangriffs im Dorf Pazigyi in der Region Sagaing im April dieses JahresBild: Kyunhla Activists Group/AP/picture alliance

Im ganzen Land kämpfen verschiedene Widerstandsgruppen gegen die Militärmachthaber. Die UN-Ermittler - offiziell Unabhängiger Untersuchungsmechanismus Myanmar (IIMM) - hat zahlreiche Beweismittel von geflohenen Menschen und aus dem Land geschmuggelten Zeugenaussagen gesammelt. Ihr Bericht fasst Informationen anderer Organisationen der Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen und Staaten über die Gewalt in dem abgeschotteten Land zusammen.

Insgesamt gab es 700 Quellen für den in Genf vorgestellten Bericht, darunter Foto-, Video- und Audiomaterial, Dokumente, Satellitenaufnahmen und Ergebnisse forensischer Untersuchungen. Das Material werde unter anderem dem Internationalen Gerichtshof zur Verfügung gestellt, damit Täter irgendwann zur Rechenschaft gezogen werden können, so die Verfasser.

Myanmar Protest gegen Hinrichtungen in Yangon
Protest gegen die Hinrichtung von Demokratie-Aktivisten (Archiv)Bild: Str/NurPhoto/IMAGO

Die Beweise deuteten darauf hin, dass die genannten Verbrechen "mit dem höchsten Maß an Grausamkeit und Leid für die Opfer begangen" würden. Dazu gehörten Vergewaltigungen mit Gegenständen, andere Formen von Erniedrigung, Verstümmelung, Gruppenvergewaltigungen sowie sexuelle Sklaverei.

Das Militär hatte im Februar 2021 gegen die demokratisch gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geputscht. Die 78-Jährige wurde in zahlreichen Verfahren unter anderem wegen Korruption und Wahlbetrug verurteilt und befindet sich im Gefängnis.

uh/qu (afp, dpa, rtr)