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Megan Rapinoe - tragisches Ende einer großen Karriere

Tobias Oelmaier
12. November 2023

Die US-Ikone auf und neben dem Fußballplatz träumt von einem Titel zum Ende ihrer Laufbahn, muss aber schon kurz nach dem Anpfiff schwer verletzt den Platz verlassen. Trotzdem gibt sich Megan Rapinoe weiter kämpferisch.

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Megan Rapinoe (r.) wird von Gegnerin Ali Krieger getröstet
Megan Rapinoe (r.) wird von Gegnerin Ali Krieger getröstetBild: Gregory Bull/AP Photo/picture alliance

Es hätte ein weiteres Highlight werden sollen zum Abschluss einer großen Karriere. Einmal noch 90 Minuten Glanz versprühen auf dem Spielfeld und dann die Trophäe in die Höhe recken. Zum ersten mal den Titel gewinnen, der noch fehlte in ihrer Sammlung. Das war der Plan von Megan Rapinoe vor dem Finale der NWSL, der nordamerikanische Frauen-Profifußballliga. Mit ihrem Team OL Reign stand sie in San Diego dem Gotham FC gegenüber.

Noch einmal waren 25.000 Fans ins Stadion gekommen, auch um Rapinoe zuzujubeln. Der Frau, die nicht nur wegen ihrer beiden Weltmeister-Titel 2015 und 2019 und ihres Olympiasieges 2012 geglänzt hatte. Und die nicht nur wegen ihrer pink gefärbten Haare aufgefallen war. Megan Rapinoe ist eine Ikone. Kämpferin für die Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung, Rassismus und sexuelle Übergriffe. Und gegen Ex-US-Präsident Donald Trump.

"Wie ein riesiger Knall"

Dieses Finale von San Diego, es hätte die große Bühne sein sollen. Aber schon nach nur drei Minuten war es für Rapinoe zu Ende. "Es fühlte sich an wie ein riesiger Knall" beschieb die 38-Jährige den Moment, als nach ersten Vermutungen die Achillessehne riss und ihre Träume platzten. Ohne gegnerische Einwirkung war sie zu Boden gesunken, fasste sich an die Wade und ahnte, dass da etwas Schlimmes passiert war. "Das habe ich nicht verdient", kommentierte sie die Verletzung, die schon bei jüngeren Sportlern meist eine Pause von mindestens einem dreiviertel Jahr bedeutet, manchmal auch Aus. 

Unterstützung für das Team im Huckepack: Megan Rapinoe muss sich von Ersatztorfrau Laurel Ivory tragen lassen, weil sie selbst nicht stehen kann.
Unterstützung für das Team im Huckepack: Megan Rapinoe muss sich von Ersatztorfrau Laurel Ivory tragen lassen, weil sie selbst nicht stehen kann.Bild: Gregory Bull/AP Photo/picture alliance

Für Rapinoe es es das auf jeden Fall. Aber so war es das "schlimmstmögliche Ende", wie sie selbst bei einem Schluck alkoholfreiem Bier zum Besten gab bei der Pressekonferenz, zu der sie sich trotz Schock und Schmerzen geschleppt hatte, den Fuß von einem Spezialstiefel gestützt. "Ich danke Gott, dass ich so einen verdammt guten Sinn für Humor habe, aber ja, es ist natürlich verheerend, so früh im Finale auszuscheiden", sagte sie, sichtlich mit ihren Gefühlen kämpfend. "Es ist enttäuschend, dass es so endet. Sieg oder Niederlage, du willst dein letztes Spiel spielen".

Weiter im Rampenlicht

Die große Kämpferin auf und neben dem Feld, ausgeknockt von einer schweren Verletzung. Und auch ihre Team konnte Rapinoe keinen Titel zum Abschied bescheren. Reign verlor das Endspiel mit 1:2. Den Applaus bekam die Außenspielerin trotzdem, schon als sie vom Feld humpelte. Das Publikum ihn ihrer kalifornischen Heimat spürte, dass es Zeuge eines ebenso tragischen wie historischen Moments wurde. Und es wirkte fast noch traumatisierter als die Spielerin selbst.

Dennoch - Megan Rapinoe wäre nicht Megan Rapinoe, wenn sie jetzt aufgeben würde. Die ehemalige Weltfußballerin wird zurückkommen: "Ich ziehe mich auf dem Spielfeld zurück, aber ihr werdet mich abseits des Platzes noch oft sehen", versprach sie und tröstete sich selbst: "Du bekommst nicht immer ein perfektes Ende. Ich hatte so viele perfekte Enden in meiner Karriere, das beste 2019. Damit meinte sie den zweiten WM-Gewinn ihrer Laufbahn, der noch zusätzlich an Bedeutung gewann, weil sie sich mit Donald Trump angelegt hatte im Kampf um Gleichberechtigung und damit zu einer Galionsfigur der Bewegung wurde.