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Politik

Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gewürdigt

22. September 2021

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat den fast 20 Jahre langen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gerechtfertigt. Zugleich lobte sie die Soldaten, die an der Evakuierungsmission in Kabul beteiligt waren.

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Deutschland Auftritt von AKK und Merkel bei der Bundeswehr in Seefeld
Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei dem Truppenbesuch in SeefeldBild: Fabian Bimmer/REUTERS

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt, die an der Evakuierungsaktion in Afghanistan mitgewirkt haben. Bei einem sogenannten Rückkehrappell in Seedorf in Niedersachsen wurden dabei einige Teilnehmer - stellvertretend für alle - mit der Einsatzmedaille auszeichnet.

"Sie haben sich in Gefahr begeben und viele Menschenleben gerettet", sagte Kramp-Karrenbauer in einer Ansprache. Unter schwierigsten Umständen und großer Gefahr hätten die Soldatinnen und Soldaten im August "Unglaubliches geleistet" und 5347 Menschen nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban über den Flughafen Kabul aus dem Land gebracht. Deutschland sei den Beteiligten "zu großem Dank verpflichtet". Nun gehe es auch darum, "aus dem Afghanistan-Einsatz und seinem Ende zu lernen", sagte Kramp-Karrenbauer. Nötig seien dabei auch "realistische Zielsetzungen" für künftige Einsätze.

Die Verteidigungsministerin betonte zugleich, dass der Evakuierungseinsatz ohne die militärischen Kapazitäten der USA wie bewaffnete Drohnen oder Luftbetankung nicht möglich gewesen wäre. "Wer will, dass wir künftig mehr selbst können, muss tief in die Tasche greifen." Ziel müsse es sein, die Bundeswehr "einsatzbereiter und fitter zu machen".

Lehren aus dem Debakel in Kabul

Sie verwies dabei auf eine stärkere militärische Zusammenarbeit in Europa. Die Mitgliedstaaten müssten den Willen aufbringen, der "EU echte Handlungsfähigkeit für die eigene Sicherheit verleihen zu können". Europa und der europäische Pfeiler in der NATO müssten ein Akteur werden, "der auf Augenhöhe mit anderen operiert".

Kramp-Karrenbauer zeigte sich erleichtert, dass bei dem elftägigen Evakuierungseinsatz keine deutschen Soldaten getötet worden seien. Sie verwies dabei auf die 13 US-Soldaten, die bei der Sicherung des Flughafens bei einem Anschlag getötet wurden. Die CDU-Politikerin erinnerte bei der Zeremonie zudem an die 59 Bundeswehr-Soldaten, die zuvor bei dem 20-jährigen Afghanistan-Einsatz zu Tode gekommen waren. 

Ein zunächst verschobener Abschlussappell und der Große Zapfenstreich zum Ende des gesamten Afghanistan-Einsatzes soll am 13. Oktober stattfinden. Schon jetzt werde der "Prozess einer abschließenden Aufarbeitung und Bilanz" des Einsatzes beginnen, bekräftigte Kramp-Karrenbauer. Im Abschluss der Zeremonie in Seedorf fand ein feierliches Gelöbnis für rund hundert Rekruten und Rekrutinnen des Fallschirmjägerregiments in Seedorf statt.

Elf Tage Luftbrücke

Nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 hatte Deutschland sich als Bündnispartner an NATO-geführten Einsätzen in Afghanistan beteiligt. Als die Amerikaner in diesem Sommer abzogen, fiel die Kontrolle über das asiatische Land aber schnell wieder an die Taliban. Um Ausländer und afghanische Mitarbeiter zu retten, richtete die Bundeswehr im August für elf Tage eine Luftbrücke ein. Mehr als 5300 schutzbedürftige Personen wurden aus Kabul nach Taschkent in Usbekistan ausgeflogen.

Die elftägige Operation im August über den Flughafen Kabul war die bisher größte Evakuierungsmission in der Geschichte der Bundeswehr. An ihr waren rund 600 Einsatzkräfte beteiligt, darunter auch Bundespolizisten und Diplomaten.

kle/sti (afp, dpa)