1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikKosovo

NATO stockt Truppen im Kosovo auf

30. September 2023

Angesichts der dort jüngst wieder aufgeflammten Spannungen verstärkt die NATO ihre Präsenz in dem kleinen Westbalkan-Land. Die USA wollen einen großen serbischen Militäraufmarsch an Grenze zum Kosovo beobachtet haben.

https://p.dw.com/p/4WzMv
Kosovo KFOR-Soldaten in Pristina
KFOR-Soldaten in der Kosovo-Hauptstadt Pristina (Archivfoto)Bild: Arif Hudaverdi Yaman/AA/picture alliance

Das Weiße Haus hat Serbien aufgefordert, an der Grenze zum Kosovo stationierte Truppen abzuziehen. "Wir beobachten eine große serbische Militärpräsenz entlang der Grenze zum Kosovo", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, in Washington. Dazu gehöre "eine noch nie dagewesene Stationierung von fortgeschrittener serbischer Artillerie, Panzern und mechanisierten Infanterieeinheiten". Der Zweck der serbischen Aufrüstung sei noch nicht klar, aber besorgniserregend. "Wir glauben, dass das eine sehr destabilisierende Entwicklung ist", erklärte Kirby.

Außenminister Antony Blinken habe in einem Telefonat mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic die Notwendigkeit einer "sofortigen Deeskalation und einer Rückkehr zum Dialog" betont, teilte das US-Außenministerium mit. Laut serbischer Nachrichtenagentur Tanjug bestritt Vucic aber, dass es einen großen Militäraufmarsch an Grenze zum Kosovo gebe.

NATO will weitere Eskalation verhindern

Die NATO kündigte an, die von ihr geführte KFOR-Schutztruppe aufzustocken. Man habe zusätzliche Kräfte autorisiert, um auf die gegenwärtige Situation zu reagieren, erklärte die transatlantische Allianz in Brüssel. Später hieß es in einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums, man habe der NATO das Kommando über ein Bataillon übertragen. Dies würde in der Regel 500 bis 1000 Soldaten entsprechen.

Kosova I Patronenhülsen in der Ortschaft Banjska
Tatort: die kosovarische Ortschaft BanjskaBild: Erkin Keci/AA/picture alliance

Im Norden des Kosovo war es am vergangenen Wochenende zur schwersten Gewalteskalation seit mehreren Monaten gekommen. 30 bewaffnete und maskierte Männer eröffneten in einem Dorf unweit der Grenze zu Serbien das Feuer auf kosovarische Polizisten. Anschließend besetzten sie ein serbisch-orthodoxes Kloster. Ein Polizist und drei Angreifer wurden bei Schusswechseln getötet.

Kosovo-serbischer Politiker bekennt sich

Blinken habe in dem Gespräch mit Vucic auch deutlich gemacht, dass die Verantwortlichen, die sich in Serbien aufhielten, zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Drahtzieher soll der kosovo-serbische Spitzenpolitiker und Geschäftsmann Milan Radoicic gewesen sein. Er habe als Reaktion auf den "Terror" der kosovarischen Regierung gegen die örtliche serbische Gemeinschaft gehandelt, erklärte Radoicic in einem offenen Brief. Ziel sei es gewesen, "die Bedingungen zu schaffen, um den Traum von der Freiheit (seines) Volkes im Nordkosovo zu verwirklichen".

Serbien | Milan Radoicic
Mutmaßlicher Täter: Milan RadoicicBild: N1

Die überwiegende Mehrheit der 1,8 Millionen Einwohner im Kosovo sind ethnische Albaner. Dazu kommen 120.000 Serben, die vor allem im Norden des Landes leben. 2008 hatte das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, die von der Regierung in Belgrad jedoch nicht anerkannt wird.

wa/ack (afp, rtr, dpa)