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PolitikPakistan

Pakistan hebt Wikipedia-Sperre auf

7. Februar 2023

Tagelang war Wikipedia wegen angeblicher "blasphemischer Inhalte" in Pakistan nicht erreichbar. Nach massiver Kritik teilte die Regierung mit, sie werde "alternative Wege" prüfen, um "anstößige Inhalte" zu blockieren.

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Smartphone-Nutzer in Pakistan
Smartphone-Nutzer in PakistanBild: Aamir Qureshi/AFP/Getty Images

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif habe die Freigabe der Internet-Enzyklopädie Wikipedia angeordnet, teilte eine Sprecherin der pakistanischen Telekommunikationsbehörde PTA mit. Ein Komitee solle auf Anordnung des Premiers "alternative Wege" prüfen, um "anstößige Inhalte" auf Wikipedia und anderen Informationsseiten im Internet blockieren zu können.

Pakistan hatte am Freitag seine Drohung wahrgemacht und Wikipedia wegen angeblicher "blasphemischer Inhalte" landesweit gesperrt. Die Online-Enzyklopädie habe auf "wiederholte Korrespondenz zur Entfernung der blasphemischen Inhalte nicht reagiert und die Frist nicht eingehalten", hatte die PTA verlauten lassen. Die Inhalte verletzten die Gefühle von Muslimen, behauptete die PTA. Welche Inhalte genau Anlass für die Anordnung war, wurde nicht mitgeteilt.

"Unverhältnismäßig, verfassungswidrig und ziemlich lächerlich"

Nun folgt die Kehrtwende, nachdem es in dem 230-Millionen-Einwohner-Land viel Kritik an der Maßnahme gegeben hatte. Zahlreiche Menschen verurteilten in sozialen Medien die Maßnahme. "Das Wikipedia-Verbot ist unverhältnismäßig, verfassungswidrig und ziemlich lächerlich", sagte der Bürgerrechtler und Journalist Usama Khilji.

Die Aktion der PTA werde sich auf Studenten, Akademiker, den Gesundheitssektor und Forscher auswirken und das Vertrauen der Investoren in Pakistan aufgrund der Unsicherheit und Willkür der Zensur schwächen. Wikipedia sei eine Crowd-Sourced-Plattform, auf der jeder, der ein Konto habe, Artikel mit Zitaten bearbeiten könne. Dies könne auch die pakistanische Behörde tun, wenn sie etwas für verwerflich halte, so Khilji weiter.

Pakistan | Gesperrter Wikipedia-Zugang
So sah die Wikipedia-Seite in Pakistan tagelang ausBild: Anjum Naveed/AP Photo/picture alliance

Die Wikimedia Foundation - die gemeinnützige Stiftung, die Wikipedia verwaltet - begrüßte die Aufhebung der Sperre. Die Menschen in Pakistan dürften damit weiter teilhaben an Wissen, das "überprüft, zuverlässig und frei ist". Am Freitag hatte es vonseiten der Foundation geheißen, Pakistan verwehre den Menschen den Zugang zum "größten freien Wissensspeicher". Wenn dies so weitergehe, werde auch der Zugang zum Wissen, zur Geschichte und zur Kultur Pakistans für alle unterbrochen, hieß es in einer Erklärung.

Wikipedia, Youtube, TikTok ...

In Pakistan sind Sperren von Onlinemedien nichts Neues. Die Wissensplattform Wikipedia war bereits früher mit Einschränkungen für einige ihrer Seiten konfrontiert gewesen, wie auch die Videoplattform Youtube wegen eines als Islam-feindlich empfundenen Films über den Propheten Mohammed. Dieser hatte in mehreren Ländern Proteste ausgelöst. Auch die Plattform TikTok wurde in der Vergangenheit mehrfach aus dem Verkehr gezogen, weil sie es angeblich versäumt hatte, Inhalte zu moderieren. Beliebte Dating-Apps wie Tinder wurden wegen als unmoralisch und unanständig angesehener Inhalte gesperrt. Ebenso verfuhr die PTA auch bei der Streaming-App Bigo.

Blasphemie ist im mehrheitlich islamischen Pakistan ein sensibles Thema. Auf die Beleidigung des Propheten Mohammed und des Korans steht seit Einführung der umstrittenen Blasphemiegesetze in den 1980er-Jahren unter Diktator General Zia ul-Haq die Todesstrafe. Die zuletzt nochmals verschärften gesetzlichen Regelungen zu Gotteslästerung stehen schon seit Jahren in der Kritik, weil sie oft zur Begleichung persönlicher Fehden und für Angriffe auf religiöse Minderheiten benutzt werden.

qu/AR (dpa, ap)