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Pannenflieger 737-MAX-9 kann wieder starten

25. Januar 2024

Trotz Loch im Rumpf verlief die Notlandung eines Alaska-Airlines-Jets glimpflich. Drei Wochen später dürfen nun die 737-MAX-9 wieder fliegen. Für Hersteller Boeing ist das Beinahe-Unglück dennoch eine Katastrophe.

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USA | Passagierflugzeug Boeing 737-MAX-9 der Alaska Airlines
737-MAX-9 der Alaska Airlines: Am 5. Januar nur knapp einer Katastrophe entgangen (Archivbild)Bild: Ian L. Sitren/ZUMA Wire/IMAGO

Ein Kabinen-Bauteil fliegt im Steigflug aus dem Rumpf, die betroffene Boeing der Alaska Airlines muss notlanden, alle Maschinen desselben Typs bekommen daraufhin Startverbot. So geschehen am 5. Januar. Schon bald nach der Beinahe-Katastrophe war klar: Das herausgebrochene Bauteil war nicht ausreichend mit dem Rumpf verschraubt.

Ab diesem Freitag dürfen die stillgelegten 737-MAX-9 des gleichen Typs wieder an den Start rollen. Die Luftfahrtbehörde der USA, FAA, genehmigte am Mittwochabend (Ortszeit) das Verfahren für die von ihr angeordneten Inspektionen der Maschinen. Eine solche Prüfung dauert mehr als zehn Stunden pro Flugzeug. Alaska Airlines will nun am Freitag erste kontrollierte Maschinen wieder in den Flugplan aufnehmen, United Airlines peilt dafür den Sonntag an.

Nicht sicher verschraubte Abdeckung

Das Startverbot galt für alle Maschinen einer bestimmten Konfiguration. Die betroffenen Boeings bieten die Option für den Einbau eines zusätzlichen Notausgangs, der bei sehr enger Bestuhlung nötig ist. Bei Gesellschaften, die ihren Passagieren mehr Beinfreiheit gönnen, wird dieses Rumpfsegment dauerhaft mit einer Abdeckung verschlossen. Und genau die hatte sich bei Alaska-Airlines-Flug AS 1282 kurz nach dem Start in Portland im Nordwesten der USA gelöst und wurde vom Kabinendruck nach außen weggerissen.

USA | Untersuchung von Unglücks-Boeing N704AL (07.01.2024)
Untersuchung von Unglücks-Boeing N704AL (am 7. Januar): Plätze glücklicherweise nicht besetztBild: NTSB/Handout/REUTERS

Nur knapp waren die mehr als 170 Menschen an Bord einer Katastrophe entgangen. Denn die fast fabrikneue Maschine mit dem Kennzeichen N704AL war erst auf gut 4500 Meter gestiegen und konnte trotz Loch im Rumpf umkehren und sicher in Portland notlanden. Bei dem Zwischenfall wurde niemand ernsthaft verletzt - durch einen glücklichen Zufall waren die beiden Plätze direkt an der Öffnung unbesetzt geblieben.

Die FAA und andere Luftaussichtsbehörden ordneten an, alle rund 170 ähnlichen Flugzeuge des Typs für Untersuchungen am Boden zu lassen. Die Betreiberinnen Alaska und United hatten auch bei weiteren Maschinen des Typs an dieser Stelle lose Befestigungsteile entdeckt. Die FAA wies nun alle Airlines speziell an, unter anderem bestimmte Bolzen, Fassungen und weitere Bauteile zu überprüfen und sie bei Bedarf festzuziehen. Damit solle sichergestellt werden, dass die Teile dem Bauplan des Flugzeugs entsprechen. Fluggesellschaften aus der Europäischen Union haben keine Maschinen des betroffenen Modells.

Zurzeit keine 737-MAX-Produktion

Der Zwischenfall hat nun größere Konsequenzen für Boeing. Die FAA kündigte an, dass sie vorerst keinen weiteren Ausbau der Produktion von allen Modellen der 737 MAX genehmigen werde. Boeings Probleme in der Qualitätskontrolle seien "inakzeptabel", betonte Behördenchef Mike Whitaker. Nun will die FAA die Produktion der 737 MAX gründlich unter die Lupe nehmen.

USA | 737-MAX-9-Produktion im Boeing-Werk in Renton (13.02.2017)
737-MAX-9-Produktion im Boeing-Werk in Renton: Probleme bei Qualitätskontrolle "inakzeptabel" (Archivbild)Bild: Jason Redmond/REUTERS

Für Boeing ist der Ausbau-Stopp ein Problem: Der US-Flugzeugbauer arbeitet die vielen 737-MAX-Bestellungen nur langsam ab und fällt hinter den europäischen Rivalen Airbus zurück. Aktuell baut Boeing pro Monat rund 30 Flugzeuge der MAX-Familie. Zum kommenden Jahr sollte der monatliche Ausstoß auf 50 Maschinen erhöht werden.

AR/kle (dpa, afp, rtr)