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Samuel Eto'o: Schwieriger Start in neuer Rolle

Kyle Mcinnon
17. Dezember 2021

In nicht einmal einem Monat wird Kamerun Gastgeber des Afrika-Cups sein. Für den neu gewählten Verbandspräsidenten Samuel Eto'o ist das keine leichte Situation. Die Sicherheit von Spielern und Fans hat Priorität.

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Fußball Smuel Eto'o
Neue Aufgabe als Funktionär: Samuel Eto'oBild: Omar Zoheiry/dpa/picture alliance

An Spekulationen mangelt es nicht in den sozialen Medien, knapp einen Monat vor Beginn des Afrikanischen Nationen-Pokals (9. Januar bis 6. Februar 2022) . Wird der Afrika-Cup verschoben? Etwa auf Betreiben der europäischen Spitzenklubs?

Die europäische Elite ist in Sorge. Werden Stars wie etwa der Torschützenkönig der Premier League, der Ägypter Mohamed Salah, angesichts der nach wie vor grassierenden Coronavirus-Pandemie einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt? Könnten sie doch nach dem einmonatigem Turnier hinaus wichtige Spiele für ihre Vereine und Geldgeber versäumen.

Und das sind nicht die einzigen Bedenken: Unruhen in der englischsprachigen Region des Gastgeberlandes Kamerun beunruhigen die Beobachter - separatistische Gruppen kämpfen hier seit vier Jahren gegen Regierungstruppen. Doch der Kontinentalverband CAE spielt die Spekulationen über eine Verschiebung herunter.

Eto'o hat das Sagen

Für den neu gewählten Präsidenten von Fecafoot, wie der kamerunische Fußballverband auf Französisch abgekürzt wird, bedeutet das: Es gibt keine Schonfrist für Samuel Eto'o in seinem neuen Amt.

Der viermalige Fußballer des Jahres in Afrika wurde am Samstag für eine vierjährige Amtszeit gewählt. Er setzte sich bei der Generalversammlung des Verbandes mit 43 zu 31 Stimmen gegen Interimspräsident Seidou Mbombo Njoya durch. Der zweifache AFCON- und dreifache Champions-League-Sieger, der in 118 Spielen 56 Tore für Kamerun erzielte, bezeichnete seine Wahl als "einen der stolzesten Momente" seines Lebens. Die Zustimmung sei für ihn Ermutigung, den Sport "auf ein Niveau zu heben, das wir noch nie zuvor gesehen haben".

Eto'o hatte seine Kandidatur nur wenige Wochen vor der Wahl eingereicht. Es solle ein Ende haben mit den Betrügereien vergangener Zeiten. In Eto'os Augen hat sein Vorgänger Njoya, dessen Wahl 2018 vom Internationalen Sportschiedsgerichtshof annulliert wurde, als Präsident "kläglich versagt".

Ein Neuanfang für Kamerun

Eto'o setzte in seiner Kampagne vor allem auf zwei Themen: die Förderung des Frauenfußballs und die Beseitigung der Korruption im kamerunischen Fußball.

Neben dem vielbeachteten Afrikanischen Nationen-Pokal - BBC und Sky in England haben gerade einen Vertrag für die Übertragung aller 52 Spiele bekannt gegeben - waren Korruptionsvorwürfe ein beherrschendes Thema innerhalb des kamerunischen Fußballverbands. Eto'o habe versichert, dass die Zeiten, in denen es einen Platz in der Nationalmannschaft gegen Bezahlung gab, vorbei seien, erläutert DW-Korrespondent Moki Edwin Kindzeka aus Yaounde. "Diejenigen, die es verdienen, in der Nationalmannschaft zu spielen, werden berufen."

Der Verband Fecafoot leidet seit längerem unter Missmanagement und Machtkämpfen. Im August 2017 setzte der Weltfußballverband FIFA kurzfristig ein "Normalisierungskomitee" ein, das das Tagesgeschäft des Verbandes übernehmen sollte, um Fecafoot wieder auf Kurs zu bringen.

Kamerun sollte ursprünglich bereits den Afrika-Cup 2019 ausrichten. Das Land wurde aber am 30. November 2018 aufgrund von Verzögerungen bei der Vorbereitung und der Sorge über die Gewalt im Land als Veranstalter gestrichen.

Schwache Referenzen

Eto'o ist in Kamerun ein Star, hat aber keine einschlägigen Managementerfahrungen. "Sein Telekommunikationsunternehmen ist zusammengebrochen. Er hat sich in den Immobiliensektor gewagt, und auch das ist gescheitert", so DW-Korrespondent Kindzeka, "was die Befürchtung aufkommen lässt, dass die Fußballlegende ein schlechter Manager sein könnte".

Dennoch hat Eto'os Wahl für eine gewisse Euphorie gesorgt. "Im Allgemeinen lieben die Menschen auf der Straße Eto'o", sagte Kindzeka, "obwohl sie nichts über seine Fähigkeiten als Manager wissen". Und auch sportlich könnte sich einiges bewegen. Berichten zufolge erwägt der Liverpooler Verteidiger Joel Matip, seinen Rücktritt auf internationaler Ebene rückgängig zu machen, um wieder für Kamerun zu spielen.

Fußball Smuel Eto'o
Erfolgreich für den FC Barcelona: Champions-League-Sieger Samuel Eto'oBild: Alberto Estevez/EFEpicture-alliance

An die Arbeit

Da der geplante Anpfiff des Afrikanischen Nationen-Pokals immer näher rückt, wird Eto'o nun ein vielbeschäftigter Mann sein. Er soll sich regelmäßig mit Vertretern der CAF treffen und in den kommenden Tagen auch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zusammenkommen.

Dass er die Bedenken wegen des Coronavirus zerstreuen kann, ist unwahrscheinlich. Es kommt auf Eto'o an, auf seinen Verband und auf die CAF, die Sicherheit der Spieler und der Fans zu gewährleisten. Die Europäische Klubvereinigung, die Fußballvereine in ganz Europa vertritt, hat erklärt, sie sei "sehr besorgt" über die Gesundheit der Spieler bei der AFCON, da sich die öffentliche Gesundheit "weiterhin auf alarmierende Weise verschlechtert".

Diese Bedenken werden durch die Tatsache, dass das Turnier in sechs Stadien in fünf Städten Kameruns ausgetragen werden soll, nicht gerade gemildert. Vorgesehen sind auch Spiele in den englischsprachigen Regionen, in denen Gewalt und Unruhen immer noch vorherrschen.

Eto'o scheint zu wissen, dass der Druck groß ist. Die Ausrichtung der AFCON wird die erste große Bewährungsprobe für seine Präsidentschaft sein. Unabhängig davon, ob Afrikas wichtigstes Fußballereignis wie geplant stattfinden kann oder nicht - klar ist, dass sich bei Fecafoot etwas ändern wird.

Der Text wurde aus dem Englischen adaptiert von Marko Langer.