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Depressionen und Traumata: Sport als Therapie

Gudrun Heise
11. September 2023

Sport kann bei Depressionen helfen. Bei den Invictus Games messen sich verwundete Militärangehörige bei Wettkämpfen. So sollen sie ihre Kriegserlebnisse besser verarbeiten können.

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Tennisspieler als Schatten auf einem Tennisplatz
Beim Sport werden Glückshormone im Gehirn freigesetzt, die helfen können, Depressionen abzufedernBild: JB Autissier/PanoramiC/IMAGO

Erstmals werden die Invictus Games in Deutschland ausgetragen. Der Sportwettbewerb für Kriegsversehrte findet in der Regel alle zwei Jahre statt. Mehr als 500 verwundete, verletzte und kranke Soldatinnen und Soldaten sowie Veteranen aus 21 Nationen treten in zehn Sportarten gegeneinander an. Etwa die Hälfte der Wettkämpfer leidet vor allem unter psychischen Schäden wie etwa Depressionen.

Durch sehr einschneidende Erlebnisse und Konflikte, aber auch durch Stress oder aufgrund einer genetischen Veranlagung können sich Depressionen entwickeln. Depressionen schränken die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein und führen oft zu weiteren Erkrankungen.

Die gängigen Therapieformen sind Psychotherapie und verschiedene Medikamente, meist Antidepressiva, aber die schlagen nicht immer an.

Bei therapieresistenten und schwerwiegenden Störungen werden Patientinnen und Patienten auch mit der sogenannten Elektrokonvulsionstherapie, EKT, behandelt. Das geschieht mithilfe von Stromreizen. Es ist das älteste Hirnstimulationsverfahren und in den meisten Fällen sehr wirksam, aber es ist ein schwerwiegender Eingriff, der unter einer leichten Narkose durchgeführt wird. 

Sport als Ergänzung zur Therapie

Viele Therapien gegen Depressionen werden mittlerweile mit sportlichen Aktivitäten kombiniert. Verschiedene Studien und auch die Erfahrungen von Therapeuten haben gezeigt, dass Sport ein wichtiger ergänzender Bestandteil einer Depressionstherapie sein kann und werden entsprechend eingesetzt. Aber könnten sportliche Aktivitäten auch als eine Art Monotherapie Wirkung zeigen?

Für Betroffene würde das bedeuten: keine Sitzungen beim Psychotherapeuten oder beim Psychiater vielleicht über Jahre hinweg, keine Antidepressiva. Die Vorteile liegen auf der Hand: Nebenwirkungen gäbe es keine, außer vielleicht mal ein verstauchter Knöchel oder Muskelkater. Ein solches Konzept ist schon seit geraumer Zeit Gegenstand verschiedener Forschungsprojekte.

Frau in dunklem Raum vor einer Gardine
Menschen mit Depressionen haben oft an nichts mehr InteresseBild: Anna Gowthorpe/empics/picture alliance

Wie wichtig ist Sport bei Depressionen?

Eine der neuesten Studien zum Thema "Sport bei Depressionen" wurde Anfang des Jahres im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht. Die Arbeit hat Daten aus verschiedenen Studien mit einbezogen, um zu möglichst aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen. Durchgeführt wurde sie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Potsdam zusammen mit Forschenden aus Australien, Belgien, Großbritannien, Schweden und Brasilien.

Die Verfasser kamen zu dem Schluss, dass Sport und Bewegung nicht nur einen sehr positiven Einfluss auf Depressionen haben, sondern sogar eine vergleichbare Wirkung auf die Erkrankten wie etwa Psychotherapie oder Medikamente. Bewiesen ist das noch nicht, aber es zeigt Möglichkeiten in der Depressionstherapie.  

Wie kann Sport bei Depressionen helfen?

Bei allen Sportarten, egal ob Joggen, Radfahren oder Yoga, werden Endorphine, also Glückshormone im Gehirn freigesetzt. Diese können dabei helfen, Depressionen und Stimmungsschwankungen abzufedern und zu mildern.

Zudem kann Sport nachweislich Stress abbauen, bei Gesunden genauso wie bei denjenigen, die unter Depressionen leiden. Durch Sport ändert sich bei den meisten zudem die Qualität des Schlafes. Auch das kann Depressionen lindern, von negativen Gedanken ablenken und den Fokus auf positivere Empfindungen richten. Die Gehirnfunktion kann zusätzlich verbessert werden.

Sport kann bei Depressionen unterstützend wirken. Ob das jedoch ausreicht, um schwere Depressionen ausschließlich mit Sport zu behandeln, ist nicht ausreichend erforscht. 

Zudem verändert Sport die Plastizität des Gehirns, also die Veränderungsbereitschaft unseres Gehirns und die Fähigkeit, sich an neue Reize oder neue Informationen anzupassen. Diese Plastizität ist bei Menschen mit Depressionen oft stark eingeschränkt, sie könnte aber durch Sport offenbar aktiviert werden.

Eine sportliche Alternative

Vor allem für Menschen, die keine Medikamente wie etwa Antidepressiva zur Behandlung ihrer Depressionen einnehmen möchten oder sie nicht vertragen, wäre intensiver und konsequenter Sport vielleicht sogar eine Möglichkeit, ihre Depressionen in den Griff zu bekommen oder sie zumindest zu lindern.

Bislang ist aber nicht abschließend geklärt, wie die Langzeitwirkung aussieht und ob Menschen tatsächlich nur mit Sport und ganz ohne konventionelle Behandlung aus ihren Depressionen finden.