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"Titanic"-Wrack: Suche nach vermisstem U-Boot im Atlantik

20. Juni 2023

In der Nähe des "Titanic"-Wracks im Atlantik suchen Rettungskräfte nach Vermissten in einem verschollenen U-Boot. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn in absehbarer Zeit geht der Sauerstoff zu Ende.

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Das vermisste U-Boot
Vermisst im vor der Ostküste NordamerikasBild: AP/picture alliance

Ursprünglich sollte es ein modernes Abenteuer sein - doch nun wird es zum lebensbedrohlichen Albtraum: Ein kleines U-Boot mit fünf Menschen an Bord, das zu einem Tauchgang zum Wrack der "Titanic" gestartet war, wird vermisst. Vor der Ostküste Nordamerikas suchen die Küstenwachen der USA und Kanadas nach dem Gefährt. 

Die US-Küstenwache teilte mit, sie habe eine umfassende Suche rund 1450 Kilometer östlich von Cape Cod im Atlantik eingeleitet. Die kanadische Küstenwache entsandte nach eigenen Angaben ein Flugzeug und ein Schiff in das Suchgebiet. "Eine Suche in dem entlegenen Gebiet ist eine Herausforderung, aber wir schicken alles, was wir haben, um sicherzustellen, dass wir das Boot lokalisieren und die Menschen an Bord retten können", sagte der Koordinator des Einsatzes. Es gehe zunächst darum, das Tauchboot an der Wasseroberfläche oder in der Tiefe des Ozeans aufzuspüren. Dafür würden mehrere Flugzeuge und Schiffe sowie Bojen mit Sonar an Bord eingesetzt, die Geräusche in einer Meerestiefe von bis zu knapp 4000 Meter erfassen können. Erst wenn der genaue Ort des Bootes klar sei, könne eine mögliche Rettung angegangen werden.

Zwei Männer und eine Frau im Innern des U-Boots "Titan"
So schaut es im Inneren des U-Boots aus - hier ein Archivfoto des BetreibersBild: AP/picture alliance

Sauerstoff im U-Boot kann bald knapp werden

Die Suchaktion ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn laut Betreiberangaben reicht der Sauerstoff in der knapp sieben Meter langen "Titan" für 96 Stunden. Das von dem Unternehmen OceanGate Expeditions betriebene U-Boot hat den Tauchgang am frühen Sonntagmorgen begonnen. Knapp zwei Stunden später brach der Kontakt zum Boot ab. OceanGate Expeditions bringt gelegentlich Privatleute für viel Geld zum Wrack weltberühmten "Titanic".

An Bord befindet sich der britische Milliardär und bekannte Abenteurer Hamish Harding. Das hat sein Unternehmen bestätigt. Harding hatte am Sonntag auf seinem Instagram-Profil mitgeteilt, er sei "stolz endlich ankündigen zu können", dass er sich der Mission zum Wrack der "Titanic" anschließen werde. "Es hat sich ein Wetterfenster geöffnet und wir werden morgen einen Tauchgang versuchen", schrieb er weiter. Die Küstenwache wollte die Identität der Vermissten nicht bestätigen.

Inzwischen ist aber klar, dass an Bord auch ein pakistanischer Geschäftsmann und sein 19-jähriger Sohn sind. "Unser Sohn Shahzada Dawood und sein Sohn Suleman hatten sich auf eine Reise begeben, um die Überreste der 'Titanic' im Atlantischen Ozean zu besichtigen", zitieren britische Medien aus einer Mitteilung der Familie. "Bis jetzt ist der Kontakt zu ihrem Tauchboot unterbrochen, und es stehen nur begrenzte Informationen zur Verfügung." Laut der Zeitung "Daily Mail" ist Dawood einer der reichsten Männer Pakistans.

Experten blicken skeptisch auf Suchaktion im Atlantik

Der Ozean-Forscher Robert Blasiak vom Stockholm Resilience Centre wies auf die schwierigen Bedingungen im Suchgebiet hin. "Der Ozean ist im Durchschnitt vier Kilometer tief, dieses U-Boot befindet sich also in großer Tiefe", sagte er der britischen BBC. Licht dringe höchstens einen Kilometer weit in die Meeresoberfläche ein, es sei also stockfinster bei gleichzeitig erheblichem Wasserdruck. "Wir wissen, wo die 'Titanic' ist, aber wir wissen nicht, wo das Tauchboot ist. Es könnte also sein, dass es bei Weitem nicht so tief ist, und darauf sollten wir alle zum jetzigen Zeitpunkt hoffen."

Der U-Boot-Experte Alistair Greig vom University College London nannte mehrere mögliche Szenarien des Vorfalls. Bei einem Strom- oder Kommunikationsausfall könne es sein, dass das Tauchboot zur Oberfläche getrieben würde. Deutlich schlechter wäre die Lage, sollte der Rumpf beschädigt worden sein und es ein Leck geben. "Dann ist die Prognose nicht gut." Schwierig wäre es auch, wenn das Tauchboot nicht mehr aus eigener Kraft vom Meeresboden aufsteigen könne. "Auch wenn das Tauchboot möglicherweise noch intakt ist, gibt es, wenn es tiefer als 200 Meter ist, nur sehr wenige Schiffe, die so tief vordringen können, und schon gar keine Taucher", sagte der Experte. "Die für die U-Boot-Rettung der Marine konzipierten Fahrzeuge können sicherlich nicht annähernd in die Tiefe der 'Titanic' vordringen. Und selbst wenn sie es könnten, bezweifle ich sehr, dass sie an der Luke des Touristentauchboots fest machen könnten."

Die "Titanic", die als unsinkbar galt, war 1912 vom englischen Hafen Southampton zu ihrer Jungfernfahrt über den Atlantik aufgebrochen. Fünf Tage später ging das damals größte Kreuzfahrtschiff der Welt unter, nachdem es einen Eisberg gerammt hatte. Fast 1500 der 2224 Menschen an Bord kamen ums Leben. Das Wrack wurde erst 1985 etwa 650 Kilometer vor der kanadischen Küste gefunden. Es liegt in internationalen Gewässern im Atlantik. Die "Titanic" übt immer noch eine große Faszination aus. Seit seiner Entdeckung besichtigen regelmäßig Forscher, aber auch Touristen das Wrack.

cwo/fab (afp, dpa)