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Menschenrechte: 50 Millionen leben in moderner Sklaverei

24. Mai 2023

Globale Krisen wie der Klimawandel und militärische Konflikte treiben weltweit immer mehr Menschen in sklavenartige Verhältnisse. Laut eines Berichts sind davon inzwischen 50 Millionen Menschen betroffen.

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Ein Mann greift durch die Gitter eines Käfigs, in dem er gefangen ist
Symbolbild Moderne SklavereiBild: Panthermedia/imago images

Die Zahl der Menschen, die zu Opfern moderner Sklaverei werden, ist Schätzungen zufolge in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus dem jüngsten Global Slavery Index der Menschenrechtsorganisation Walk Free hervor, der in London veröffentlicht wurde. Demnach sind weltweit 50 Millionen Menschen in moderner Sklaverei gefangen - das sind zehn Millionen mehr als noch vor fünf Jahren. 

Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung sei, dass Menschen wegen Konflikte und den Folgen des Klimawandels zu "ungeplanter Migration" gezwungen würden. Auch eine weltweite Einschränkung der Frauenrechte, sowie wirtschaftliche und soziale Auswirkungen der Corona-Pandemie verschärfen demnach die Situation.

Schätzungen über weltweite Verbreitung 

Am verbreitetsten ist die moderne Sklaverei dem Bericht zufolge aber in Nordkorea, Eritrea, Mauretanien, Saudi-Arabien, in der Türkei, in Tadschikistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Afghanistan und Kuwait.

Doch auch in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern der G20 gibt es viele Menschen, die ausgebeutet werden. Allein in Indien wird dem Bericht zufolge von einer Zahl von 11 Millionen ausgegangen; 5 Millionen sind es demnach in China, 1,8 Millionen in Russland, 1,3 Millionen in der Türkei und 1,1 Millionen in den Vereinigten Staaten.  

In Pjöngjang gehen Menschen an Porträts der verstorbenen koreanischen Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong Il vorbei
Nordkorea ist eines der Länder, in dem moderne Sklaverei besonders stark verbreitet istBild: Wong Maye-E/AP/dpa/picture alliance

Kritisch sehen die Menschenrechtler aber auch den Import von Gütern, die häufig in Verhältnissen hergestellt werden, die auf Zwang oder Abhängigkeit basieren. Sogenannte Risikoprodukte werden demnach jedes Jahr im Wert von 468 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 434 Milliarden Euro) in die G20-Staaten importiert. Dazu gehören unter anderem Elektronik, Bekleidung und Palmöl. Die G20 müssten sich daher über ihre Lieferketten indirekt die Hälfte aller Opfer moderner Sklaverei zurechnen lassen, glauben die Menschenrechtler.

Sklaverei durchdringt alle Lebensbereiche 

"Die moderne Sklaverei durchdringt jeden Aspekt unserer Gesellschaft. Sie ist in unsere Kleidung eingewoben, beleuchtet unsere Elektronik und würzt unser Essen", sagte die Gründungsdirektorin von Walk Free, Grace Forrest, einer Mitteilung zufolge. Sie fordert entschiedeneres regulatorisches Eingreifen in Lieferketten, um Ausbeutung zu verhindern. "In den letzten Jahren haben Australien, Kanada, Deutschland und Norwegen Gesetze erlassen, um Unternehmen und Regierungen für die Ausbeutung in globalen Lieferketten zur Verantwortung zu ziehen." Dies gehe in die richtige Richtung, sei aber bei weitem nicht genug.

Neben Gesetzen, um moderne Sklaverei in Lieferketten zu unterbinden, ruft die NGO Regierungen dazu auf, die Bekämpfung moderner Sklaverei auch stärker in den Bereichen humanitäre Hilfe und beim Aufbau einer grünen Wirtschaft einzubeziehen. Bei der Zusammenarbeit mit repressiven Regimen müsse darauf geachtet werden, dass Handel, Geschäfte und Investitionen nicht zu staatlich verordneter Zwangsarbeit beitragen oder davon profitieren.

Zudem müssten Kinder, insbesondere Mädchen, besser durch das Ermöglichen von Schulbildung und das Verhindern von Zwangsehen geschützt werden. Die Organisation Walk Free mit Sitz in Australien greift ihrer Webseite zufolge für ihren Bericht auf die Expertise von Statistikern, Kriminologen, Rechtsanwälten und Entwicklungshilfeexperten zurück.

bri/as (dpa, afp)