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Ukraine-Krieg bremst Snapchat

22. April 2022

Viele Werbekunden der Social-Media-App Snapchat treten nach der russischen Invasion auf die Kostenbremse. Jetzt schreibt das Unternehmen wieder rote Zahlen.

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Illustration - Smartphone mit Snapchat Logo
Bild: Jens Kalaene/dpa/picture alliance

Sorgen um wirtschaftliche Folgen des russischen Krieges in der Ukraine schlagen auf das Werbegeschäft der Foto-App Snapchat durch. Das vergangene Quartal habe das US-Unternehmen vor größere Herausforderungen gestellt als erwartet, räumte der Chef der Mutterfirma Snap, Evan Spiegel, ein.

"Wir glauben, dass der Krieg in der Ukraine erhebliche Folgen hatte", sagte Finanzchef Derek Andersen am Donnerstag. Direkt nach dem russischen Einmarsch am 24. Februar hätten viele Werbekunden ihre Anzeigenkampagnen gestoppt. Zehn Tage danach seien die meisten von ihnen zwar wieder zurückgekommen - aber das Wachstumstempo habe sich im Jahresvergleich verlangsamt. Die Anzeigenkunden machten sich unter anderem Sorgen um geopolitische Risiken wegen des Krieges in der Ukraine, hieß es. Auch Inflationsängste seien ein Faktor.

Sattes Umsatzplus zum Jahresbeginn

Snap verbuchte im ersten Quartal ein Umsatzplus von 38 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar (980 Mio Euro). Unterm Strich gab es einen Verlust von 359,6 Millionen Dollar nach roten Zahlen von knapp 287 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Dieser Anstieg geht Snap zufolge auf einen Bewertungsverlust von 92 Millionen Dollar bei einer Investition zurück. Für die Unterstützung der vom Ukraine-Krieg betroffenen Mitarbeiter gab Snap fünf Millionen Dollar aus. Im Schlussquartal 2021 davor hatte der Dienst seinen ersten Quartalsgewinn vermeldet.

Im laufenden Quartal liegt der Umsatz bisher um 30 Prozent über dem Vorjahreswert - Snap befürchtet aber weitere Kürzungen bei den Werbebudgets und prognostiziert für das Vierteljahr nur ein Plus von 20 bis 25 Prozent. Die Entwicklung des Geschäfts sei schwerer vorherzusagen denn je in jüngster Zeit, sagte Finanzchef Andersen.

Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg binnen drei Monaten von 319 auf 332 Millionen - und damit etwas stärker als Analysten erwartet hatten. Aus Europa kommen 84 Millionen von ihnen - zwei Millionen mehr als im Schlussquartal 2021.

Was machen Facebook und andere Konkurrenten?

Die Probleme von Snap werfen die Frage auf, wie es im vergangenen Quartal seinem großen Konkurrenten erging - dem Facebook-Konzern Meta, der ebenfalls von Anzeigenerlösen lebt. Beiden Unternehmen machten im vergangenen Jahr bereits Apples Maßnahmen zum besseren Schutz der Privatsphäre auf dem iPhone zu schaffen. Viele Nutzer machten von der Möglichkeit Gebrauch, Apps die Verfolgung ihrer Aktivitäten über verschiedene Dienste und Websites hinweg zu untersagen. Das brachte eingespielte Geschäftsmodelle bei Online-Werbung durcheinander.

Snap verdaute die Änderungen bisher etwas leichter als Meta, wo zudem Konkurrenz durch die Video-App Tiktok das Wachstum der Nutzerzahlen weitgehend zum Erliegen brachte. Meta legt frische Quartalszahlen am kommenden Donnerstag vor.

Plattform für Shopping und Medieninhalte

Snapchat war vor allem mit von alleine verschwindenden Bildern bekannt geworden, arbeitet inzwischen aber unter anderem daran, als Plattform für Shopping und Medieninhalte erfolgreich zu sein. Insbesondere setzt Snap dabei auf die sogenannte erweiterte Realität (Augmented Reality, AR). Bei der Technologie werden digitale Inhalte auf dem Bildschirm in die echte Umgebung integriert. Snapchat lässt so zum Beispiel Schuhe oder Kosmetik virtuell ausprobieren - und nimmt Geld von den Unternehmen dafür. Auf verschiedene AR-Anwendungen griffen im Schnitt mehr als 250 Millionen Nutzer täglich zurück, sagte Spiegel.

Die Aktie ging nach der Zahlenvorlage im nachbörslichen Handel auf Achterbahnfahrt: Auf zunächst deutliche Kursverluste folgte ein Plus von rund acht Prozent, das dann wieder zusammenschmolz. In den vorbörslichen Handel am Freitag startete das Papier mit einem Plus von rund 1,5 Prozent. Analysten hatten unter anderem mit etwas mehr Umsatz im vergangenen Quartal gerechnet.

ul/bea (dpa)